Vom Fressen und Gefressenwerden

Abnehmen ist ganz einfach.
Iss weniger als du verbrauchst. Fertig.
Doch leider gibt es Komponenten, die nicht in so eine simple Gleichung integriert werden können.
Wie zum Beispiel das Gefressenwerden.
Von innen heraus.
Von Gefühlen.

Ich rede vom emotionalen Essen. Das ist nach all der Zeit noch immer ein riesengroßes Thema für mich und das merke ich aktuell ganz deutlich.
Ich bin ein Mensch, der gerne in seinen gewohnten Strukturen agiert.
Neuerungen mag ich nicht besonders.
Ich mag Routinen und Beständigkeit.
Doch das Leben ist nun mal nicht Routine und Gleichform, sonder ein Auf und Ab, ein Hin und Her, ein Kreuz und Quer.

Das macht meinem kleinen Yubababrain gar keinen Spaß.
Wenn an einer Stelle in meinem Räderwerk rumgefummelt wird, kommt alles andere durcheinander.
Und das schlägt sich immer noch und immer wieder in meinem Essverhalten nieder.
Kommen große Gefühle, ob positiv oder negativ, auf mich zu, verliere ich den Boden unter den Füßen.
Und um den Boden wieder zu finden bzw. um irgendwas zu finden, was mich wieder erdet, fange ich an zu essen.

Das klingt bescheuert und abwegig, aber es ist meine Strategie mit Gefühlen fertig zu werden, die mich übermannen.
Manche wenden sich dem Alkohol zu, wenn sie unter Druck stehen, andere suchen ihre Erfüllung im Kaufrausch, wieder andere kiffen oder treiben sonst was, ich fange an zu essen.

Ich war eine ganz schön lange Zeit befreit von diesem Verhalten. Ich hatte beinahe vergessen, dass es diese „Automatik“ in mir gibt.
Aber in den letzten Wochen hat sie wieder voll durchgeschlagen. Ich habe gegessen, um zu kompensieren.
All die negativen Gedanken und Gefühle, die sich in mir auftürmten wollte ich auffressen.

Friss, was dich auffrisst!

Doch damit ist Schluss. Jetzt sofort.
Das Rumgefresse löst meine Probleme nicht. Ganz im Gegenteil.
Ich fühle mich dann zusätzlich noch verfressen, undiszipliniert, fett und faul.
Das macht alles nur noch schlimmer.
Die Essspirale bekommt ganz neue Dimensionen dadurch.

Es reicht. Ich werde mir meinen Erfolg nicht zerstören (lassen).
Ich werde auf den Tisch hauen müssen, eskalieren und detonieren, meinen Gefühlen freien Lauf lassen, um wieder bei mir anzukommen und mit mir und meinem Gefühlsleben im Reinen zu sein.

Friss, was dich auffrisst, aber fang nicht an zu essen!

Die wundersame Vermehrung der Kleidungsmöglichkeiten im Schrank der Frau Yu und wie diese es einfach nicht fassen konnte.

Ich habe nichts anzuziehen.
Naja fast nichts. Und das ist kein Frauen-haben-nie-was-anzuziehen-obwohl-der-Schrank-voll-ist-Gelaber.
Ich habe 3 Hosen, 2 Pullover und etwa 4 Shirts, die derzeit passen. 2 Kleider.
(Schlüpper und Socken habe ich natürlich auch.)
Momentan liegt das daran, dass ich zu geizig bin, mir immer wieder passende Klamotten zu kaufen, je nach aktuellem Gewichtsstand.
Da trage ich lieber eine Größe länger und kleide mich erst wieder neu ein, wenn es wirklich gar nicht mehr anders geht.

Aber auch sonst habe ich immer einen ziemlich spärlich gefüllten Kleiderschrank.
Zum einen, weil ich einfach nicht besonders gerne einkaufen gehe und zum anderen, weil ich nicht unbedingt die Modisch-Interessierteste bin.

Doch gestern stellte ich fest, dass da noch viel mehr in dem Ungetüm von Schrank lauert, der im Schlafzimmer der Yus steht.
Eine ganze Schrankhälfte mehr!
Ihr ahnt es, oder?

Ich. passe. in. Herrn. Yus. Klamotten.
ICH. PASSE. IN. HERRN. YUS. KLAMOTTEN!

In die Oberteile (Herrengröße M übrigens) jedenfalls. Hosen habe ich nicht anprobiert.
Das würde auch nicht gut gehen. Mein Hintern würde die immer noch sprengen.
Aber: ich passe in seine verdammten Pullis und Shirts!

Echt mal jetzt, als Frau oder Meeeeeeeeeeeeeeeedchen hat man doch immer so romantische Vorstellungen.
Lady: „Oh mir ist ja so kalt.“
Gentleman: „Hier, zieh meinen Pulli über!“
Lady: *macht Herzchenaugen und kuschelt sich in das Kleidungsstück des edlen Ritters* (Hauptsache kein Kettenhemd)

Das ging bei uns nie. Ich hätte den Pulli vielleicht gerade über den Kopf bekommen, die Brüste frei schwingend an der Luft. Oder so ähnlich.
Peinlicherweise wäre es eher andersrum gegangen. Ich hätte Herrn Yu Klamotten leihen können.
Herr Yu: „Oh mir ist ja so kalt.“
Frau Yu: „Hier, zieh meinen Pulli über!“
Herr Yu: *macht Herzchenaugen und kuschelt sich in das Kleidungsstück der edlen Walküre*

Hm. Nö. Nicht sooo romantisch.

Ach und falls ihr Beweise braucht…. bittschön:
(Aber ignoriert bitte die wunderhübsche Bollerbuxxe, die ich da anhabe…)
pullover

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich flipp ma dezent aus, wa?! 😀

Lords of the boards

Es gibt so Dinge, die ich immer gerne ausprobieren wollte, aber nicht konnte, weil ich mich entweder für zu dick hielt oder es wirklich war.
Ich will zum Beispiel noch mal in einen Klettergarten, weil bei meinem ersten Besuch dort eine hochnotpeinliche Situation zustande gekommen ist, die bis heute an meinem Ego kratzt.
Ich konnte mein Gewicht (127kg damals) einfach nicht alleine bewegen, geschweige denn irgendwo hinauf wuchten.
Also baumelte ich lustig in der Mitte des Seiles und geriet dezent in Panik.
Aber die Geschichte kennt ihr schon. Ihr könnt Euch mittlerweile bestimmt gut denken, WIE SEHR das an meinem Ego kratzen muss, wenn ich immer wieder davon anfange….

Gut. Das ist also so ein Projekt, das noch aussteht, wenn ich mal nahe am oder im Normalgewicht bin.

Aber einen minikleinen Traum, den ich mir jetzt schon erfüllen konnte, will ich Euch nicht vorenthalten.
Herr Yu hat sich vor geraumer Zeit ein Longboard gekauft und rollerte öfter mal quietschfidel durch die Gegend.
Ich habe ihn immer etwas darum beneidet, denn das sah so dermaßen cool aus, wie er da so durch die Gegend sauste. Ich wollte das immer unbedingt probieren.
Aber zwei Dinge hinderten mich:
1.) Mein Gewicht – Ich war für das Board von Herrn Yu schlicht zu schwer. Es mag Boards geben, die eine höhere Maximallast tragen können, aber dieses eben nicht.
2.) Mein Gehirn – Die Arschlochstimme aus meinem Hirn sagte natürlich sofort Dinge wie „Elefanten skaten nicht, Frau Yu!“ oder „Mach Dich doch nicht lächerlich. Wie soll das denn wohl aussehen… Du auf so einem Board!“

Tjanun. Arschlochstimme bleibt Arschlochstimme, nech.
Die hats echt raus mich fertig zu machen.

Aber diese Woche habe ich es ihr gezeigt. 😉
Seht selbst:

skater

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
Yay for me!

Eckstein, Eckstein, alles muss versteckt sein!

Ihr lieben Leserleins.
Ich habe lange, lange überlegt, ob ich es wagen soll.
Ob ich Euch das zumuten kann.
Ob ihr die Wahrheit ertragen könnt.
Ob ihr die Wahrheit ertragen wollt.
Und mit dem Schluss gekommen: Ja. Ja zu allem.

Frau Yubaba zeigt Gesicht!

Wisst ihr, als ich damals meinen kleinen Schnuckelblog angefangen habe, fühlte ich mich fett und doof und wollte einfach nicht, dass mich irgendwer aus meinem realen Umfeld entdeckt.
Ich wollte in geheimer Mission in den Speckkampf ziehen und anonym bleiben.
Zu sehr habe ich mich für die Zahlen auf der Waage geschämt.
Es war so mit meine schlimmste Fantasie, dass mich zum Beispiel ein Arbeitskollege finden und auf meine Speckigkeit und meine krausen Gedankengänge ansprechen könnte.
Deswegen kennt ihr mich bisher so:

Frau Yubaba
Und ihr werdet es nicht glauben, aber so sehe ich gar nicht aus. 😀
Also nicht genauso. Aber schon recht ähnlich.

Also, Arschbacken zusammen gekniffen, Mut gefasst und täterätäää, das bin ich:

Avatar

Warum ich mich nun doch dazu entschieden habe, zu zeigen, wer ich wirklich bin?
Nun ja.
Zum einen bin ich darüber hinweg, dass mein Speck peinlich sein könnte.
Ja, ich war dick, ja, ich bin immer noch dick und ja ich muss und werde immer noch abnehmen. Aber was daran ist verwerflich? Damit geht es mir wie vielen, vielen anderen Menschen.
Mittlerweile kann ich mit Stolz sagen: „Leute, ich habe was geschafft. Hier bin ich. So bin ich. Kommt damit klar!“

Zum anderen möchte ich Euch Leserleins, die ihr mir so wichtig seid, zeigen: es gibt mich wirklich. 😀
Und ich möchte, dass mein Blog endlich ein Gesicht bekommt. Also bitte. Hier ist das Gesicht.

Außerdem macht das so vieles einfacher. Gerade wenn es um Vorher-Nachher-Bilder geht und Unterschiede im Gesicht und so. Was ein Gehampel, da jedes mal die Bilder so zu bearbeiten, dass man mich bloß nicht erkennt.

Und pfiffige Leser werden es schon bemerkt haben: im LCHF-Forum bin ich schon länger mit persönlichem Avatar unterwegs.
Da grinst also schon lange die echte Frau Yu vom Bildschirm.
Warum also hier weiter einen auf „die große Unbekannte“ machen? 😉
Und weil ich gerade beim Thema Forum bin… Ich habe für Annikas ( Sudda Suddas) Seite (www.lchf.de) einen Jahresrückblick geschrieben.
Wenn ihr mögt, könnt ihr den hier (klickediklacker!) lesen.

Tja nun. Das bin also ich.

Und? Schockiert? 😀

Ich herze Euch, Leserleins.
Ihr seid die Besten! ❤

 

 

Erlebnisse

Es ist manchmal schon seltsam.
Ich nehme ab, fühle mich gut, der Flow ist da und wie durch Zauberhand kommt das Stimmchen in meinem Kopf aus seinem Appartment gekrochen.
Erst so unterschwellig. Es wirft nur einzelne Worte in den Ring.
Stellt euch mein Gehirn ungefähr so vor:

„Dumdidum. Ah, Baby-Fütterzeit, danach eben Altglas wegbringen, Wäsche waschen, dann mit Baby spielen. Dumdidum. Kleinen Kaffee trinken, während Baby Yu mit den Rührschüsseln spielt. Oh, Geschirrspüler ist fertig. EIERLIKÖRBERLINER. Wo ist denn meine Lieblingstasse? Ach da hinten. Moment? Was war das gerade eben? Irgendwas mit Berlin? Hmmm. Komisch. Ach, wollte ja noch bei Mama anrufen. Muss ich gleich mal machen. Aber die EIERLIKÖRBERLINER arbeitet bestimmt noch. Warte ich mal noch. Dumdidum. Oh, Babylein braucht ne neue Windel. Hoffentlich zappelt sie nicht wieder über den kompletten Wickeltisch. Ah, wir brauchen noch EIERLIKÖRBERLINER neue Windeln. Muss ich gleich noch holen. Hä? Berlin? Was ist denn heute immer mit Berlin. Hach, Mist, wo ist denn jetzt die Strumpfhose von Baby Yu? Ach EIERLIKÖRBERLINER da ist sie ja….“

Dann stehe ich irgendwann im Supermarkt mit den Windeln an der Kasse und sehe von dort aus den Bäckerstand. Und da liegen sie: Eierlikörberliner.
Und jetzt wird das Stimmchen richtig munter.
„Ich will will will will aber! EIERLIKÖRBERLINER!“
Und es nervt und nervt und nervt und ich werde genervter und genervter.
Die Stimme will verhandeln, Kompromisse aushandeln, mich überreden.
Dabei steht die Antwort fest: ES GIBT VERDAMMT NOCH MAL KEINE BERLINER!

Jedenfalls, das ist ganz ganz oft ein sehr kritischer Punkt bei mir. Da gerate ich ins wanken. Das Essen kann noch so lecker und abwechslungsreich sein, aber ich sehe auf einmal nur noch, was alles nicht passt.
Und oft bin ich schon trotzig geworden und habe gedacht „Ich bin schon groß. Ich esse EIERLIKÖRBERLINER wenn ich es will. HA!“
Tja. Das war dann immer der Anfang einer langen, ungebremsten Fresserei. Mit einigen Kilos Plus kam ich dann irgendwann wieder zu Sinnen und schluchzte „Was hab ich bloß getan? Ich könnte schon so viel weiter sein!“

So. Aber diesmal nicht. Nein.
Diese Gedankenscheiße fing nämlich wieder mal an. Aber ich habe es diesmal bemerkt, bevor die Arschlochstimme überhand nehmen konnte und bevor ich klein beigegeben habe.
Und es gab Erlebnisse, die mir das vereinfacht haben.

Zum Beispiel war Familie Yubaba einkaufen. Hier im Ort steht zwei mal die Woche ein Fischwagen vor dem Einkaufstempel. Dort kann man frischen Fisch, aber auch Backfisch, Fischfrikadellen und Kibbelinge kaufen.
Herr Yu hat ein Herz für Kibbelinge und stellte sich in die Schlange.
Ich stellte mich dazu. Die Arschlochstimme schon wieder leise mäkelnd: „Ich will auch Kibbelinge. Aber nein. Ich DARF ja wieder nicht. Mümümü. Mämämä.“
Und dann fiel der Blick auf eine ältere Frau vor mir. Sie war sehr, sehr dick. Sie konnte sich – und das sage ich nicht um zu übertreiben – kaum bewegen. Ihr Haar war strähnig und schütter und sie wirkte ziemlich müde. Ein bisschen so, als hätte sie schon lange aufgegeben.
Da durchzuckte es mich und  ich sagte hinterher, natürlich nicht in Gegenwart der Frau, zu Herrn Yu: „Ich war ja schon wieder angefressen, dass ich keinen Backfisch essen konnte. Aber dann hab ich die Lady vor uns gesehen und da wurde mir wieder klar, warum ich so oft verzichte. Ich möchte so nicht alt werden.“
Herr  Yu antwortete: „Wieso alt? Die war in meiner Parallelklasse.“
Ihr könnt Euch vorstellen, wie ich geguckt habe.
Und ohne der Dame irgendetwas zu wollen – denn schließlich soll jeder leben wie es ihm beliebt und wer wäre ich das zu verurteilen? – für mich war das wie eine Kopfnuss. Das hat mich tagelang beschäftigt. Ich habe dadurch wieder einmal erkannt, dass ICH es in der Hand habe. Dass ICH entscheide.

Aber es gibt natürlich auch schönere Erlebnisse, die einen auf den „Pfad der Tugend“ zurück bringen.
So geschehen letzte Woche. Wir waren, wieder einmal, einkaufen. Diesmal aber in Bekleidungsgeschäften.
Und nein, jetzt kommt kein „Woohooo ich habe zwei Kleidergrößen verloren!“. Es kommt was anderes.
Leute, ich kann bzw. könnte mir Ringe kaufen. Modeschmuck. Einfach so. Von diesen ollen Ständern. Was daran so toll ist? Ganz einfach: Das ging früher nicht. Selbst die XL-Ringe passten nur zur Hälfte oder auf den kleinen Finger. Und wenn mal einer irgendwie passte, sah das quetschig und wurstig aus.
Jetzt kann ich die Ringe munter rauf und runter stecken. In L.
Ich weiß, diese Ringgrößen sind auch nicht das Wahre um sich irgendwo einzuordnen, aber Leute, echt mal. Das geht jetzt. Einfach so.
Klar, habe ich gemerkt, dass meine Finger schmaler geworden sind. Immerhin rutschen Verlobungs- und Ehering fröhlich hin und her und ich muss aufpassen, dass ich sie nicht verliere, wenn ich unüberlegt wild mit den Armen rumfuchtel. (Was ich durchaus oft tue. 😀 )
Es sind eben manchmal doch die kleinen Dinge, die mich erfreuen und mir helfen, wenn ich mich mal gerade etwas auf meinem Weg verlaufen habe.

 

Wer bin ich?

Ich bin momentan in einer Denkphase.
Habt ihr so was auch? Also denken tu ich schon jeden Tag, so ists’s nicht,  aber intensiv über etwas nachdenken, grübeln und analysieren, das kommt immer in unregelmäßigen Schüben bei mir vor.
Und da ihr süßen Leserleins immer wieder hier vorbei gesurft kommt, müsst ihr da nun durch. 🙂

Oft hört man von dicken Menschen, dass sie die Person, die sie im Spiegel sehen, nicht mit sich selbst in Verbindung bringen können.
„Das bin nicht ich.“ Gefühl und äußerliche Erscheinung driften auseinander.
Innendrin, da ist man vielleicht ein aufgedrehter, lustiger Mensch, der aktiv ist, sein Leben liebt und sich selbst liebenswert findet. Und dieser Mensch scheint gefangen zu sein, in einem zu dicken Körper.
Der dicke Körper hindert dich am aktiv sein, am lustig sein, am aufgedreht sein und – am schlimmsen von allem- auch noch daran, Dich selbst liebenswert zu finden.

Und da schnackte, wie die liebe Sudda es immer sagt, mein Gehirn nach hinten und fing wieder mal an zu wühlen und zu rotieren.

Ist es wirklich so, dass „der Körper“ einen hindert, das zu sein, was man gerne wäre?
Verbringt man wirklich bewusst Zeit seines Lebens damit, nicht man selbst zu sein?
Was hindert einen wirklich daran, man selbst zu sein?
Ist „der Körper“ nicht auch irgendwo eine bequeme Ausrede? Ein guter Grund, den man immer parat hat, vor allem für sich selbst?
Denn jemand anderem gegenüber sagt man eher selten: „Nee, da mach ich nicht mit, dafür fühl ich mich zu fett.“ sondern wird erfinderisch: „Nee, Du, dabei hab ich mir schon mal übel weh getan. Seitdem mach ich das nicht mehr.“
Oder ähnlich. So hab ich das jedenfalls immer gemacht. Ob mein Gegenüber das geglaubt hat, war mir in dem Moment auch egal, Hauptsache ich musste „den Körper“ nicht thematisieren.

Es gibt Dinge, die kann und konnte ich, tatsächlich auf Grund meines Gewichts, einfach nicht tun.
Klettern im Hochseilgarten z. B.
127 kg mit eigenen Händen und Armen tragen? Geht einfach nicht. Jedenfalls nicht, wenn man untrainiert und schwabbelig ist, wie ich es war. Nee, ich hing wie ein nasser Sack auf der Seilbahn des Übungs-Parcours und habe es nicht mal da geschafft, mich selbst vorwärts zu hieven.
Hochnotpeinlich.
Direkter Tiefschlag ins Ego.
Wieder mal hat „der Körper“ alles versaut. Denn eigentlich bin ich doch voll sportlich, ey! Mein blöder Körper nur nicht.

Und irgendwann kommt dann so eine leise Ahnung. Vielleicht hat man die auch schon viel länger irgendwo leise im Kopf summen, aber man überhört sie nur allzu gern. Die Ahnung oder auch die Erkenntnis: „Fuckadoodledoo. Doch DAS da bin ich. Ich wäre gerne jemand anders, aber das da im Spiegel, das bin ich.“
Vielleicht ist das Innerste auch einfach bei einem alten Status hängen geblieben.
Bei schlankeren Zeiten. Zeiten, zu denen man sich wohl fühlte, sportlich war, in enge Klamotten passte.
Und dieses Bild ist innendrin noch gespeichert. Klar, denn zu solchen Zeiten schaut man sich meistens auch viel lieber im Spiegel an. Schaut genau hin, wie die neue Hose sitzt.
Wenn man sich erst mal einen größeren Körper zugelegt hat, dann schaut man nicht mehr so gern und genau hin.
Dann geht’s Zackzack-raus ausm Schlafanzug- rin inne Buxe. Ohne Hingucken.

Ihr glaubt nicht, was ich für Schockmomente erlebt habe auf Dienstreisen. In Hotelzimmern, in denen im Bad direkt gegenüber der Dusche Riesenspiegel angebracht waren.
Zu Hause huscht man an allem, was einen irgendwie reflektieren könnte, pfeilschnell vorbei und dann stehst Du da, nackt unter der Dusche und siehst dich, wie Du behäbig aus der Wanne steigst.Wie Dein Körper aussieht. So ganz von oben bis unten.
Du erschreckst Dich und entschließt: „Ich guck einfach nicht hin. Das da im Spiegel, pah, das ist nur eine Groteske meiner selbst. Eigentlich bin ich ganz anders!“

Dass man erst weniger, dann gar nicht mehr zum Sport ging – ausgeblendet.
Dass das Kochen weniger und das Irgendwasschnellesessen mehr wurden – ausgeblendet.
Dass sich erst der Stretchanteil der Hosen vergrößerte und dann auch Schritt für Schritt die Hosengröße an sich – ausgeblendet.
Dass es plötzlich keine Fotos mehr von einem selbst gibt – ausgeblendet.

Leute, ich weiß nicht, wie das funktioniert, aber es funktioniert.
Ich frage mich oft genug, wie ich es so weit kommen lassen konnte. Und ich finde keine logische Erklärung.

Gut, dann fängt das Abnehmen an. „Der Körper“ wird sich noch umgucken.
Die ersten Erfolge kommen und plötzlich hat man das Gefühl: „Ich komm wieder bei mir an. Ich werd immer mehr zu mir.“

Yay! Man jubiliert und freut sich. Guckt wieder genauer hin. Wird allerdings auch kritischer als je zuvor.
Ein Bisschen ist so, als könnte man jetzt, da man einmal richtig hingeguckt hat, gar nicht mehr weg schauen.
Nicht weil einem immer alles so gut gefällt, sondern auch, weil man immer guckt, wo es noch was zu verbessern gibt.

Und da schnackte mein Hirn schon wieder zurück und stellte fest: das ist alles traurig.

 

Es ist traurig, dass man sich selbst belogen hat.
Es ist traurig, dass man mit sich nicht achtsam war.
Es ist traurig, dass man immer kritischer wird und sich selbst weiter unter Druck setzt.
Aber vor allem ist es traurig, dass man eine ganze Zeit lang meint, man wäre nicht man selbst.
Dass man sich selbst nicht in allen Gefühlslagen und Körperformen akzeptiert und sagt: „Ja, auch das bin ich.“ und stattdessen immer auf ein besseres Ich wartet.

 

Wir gehen so oft so überkritisch mit uns selbst um. Würden wir das mit Freunden machen?
Würden wir sie nicht mehr angucken, wenn sie zunähmen?
Würden wir sie belügen und missachten?
Würden wir ihnen immer wieder sagen, sie seien nicht liebenswert, weil sie fett sind?
Sicherlich nicht. Aber mit uns selbst machen wir das.

Erwartungen

Letzens bin ich über diesen Comic gestolpert:

 

 

Erst hab ich nur geschmunzelt, aber wie das manchmal so ist, setzte dann das Yubababrain ein und dachte nach.

Wie viele Hoffnungen werden doch in das Abnehmen gesetzt.
Was, wenn man tatsächlich an seinem Ziel ankommt und merkt: „Same shit – different body!“

Und dann fing mein Hirn an zu wühlen in Emotionen, Erfahrungen, Erwartungen, Plänen, Absichten und Phantastereien.

Es fragte mich, ob ich mir vom Abnehmen vielleicht auch zu viel verspreche?
Was ist das für ein hehres Ziel, das ich da verfolge?
Jage ich einer Utopie nach? Einem „Ich 2.0“ ?
Denke ich, es wird alles besser, wenn ich erst mal schlank bin?
Glaube ich, dass sich Probleme in meinem Leben in Luft auflösen, nur weil ich weniger wiege? Dass ich dann endlich wieder „ich“ sein kann?
Wenn das so wäre, wer bin ich dann jetzt? Nicht ich? Verschwende ich dann nicht gerade massiv Zeit mit Auf-bessere-Zeiten-warten?

Dann hab ich meinem Hirn eine Pause verordnet, durchgeatmet und für mich alles erst einmal sortiert.

Und dann hab ich festgestellt, dass ich mir keine Wunder wie:

Wenn ich erst mal schlank bin,
… mögen mich alle!
… rennen mir die Männer scharenweise hinterher!
… hab ich keine Höhenangst mehr!
… höre ich auf an mir zu zweifeln und find mich nur noch gut!
… habe ich ganz viele Freunde!
… wird mein Leben so viel aufregender!
… wird das Leben leichter!
… passieren keine schlimmen Dinge mehr!

verspreche. Nein.

Aber ja, ich verspreche mir doch etwas davon, abzunehmen. (Lassen wir jetzt mal die gesundheitlichen Aspekte ganz beiseite.)
Ich verspreche mir ganz klar mehr Selbstzufriedenheit. Ich habe auf dem bisherigen Weg auch schon gemerkt, wie das schwindende Gewicht sich positiv auf meine Zufriedenheit mit mir selbst auswirkt. Ich gucke anders in den Spiegel, gehe anders (!) und strahle (laut anderer Menschen Beobachtung) eine größere Zufriedenheit aus.
Ich bin entspannter geworden.

Entspannter  – also noch nicht vollkommen entspannt. Das ist das, was ich mir erhoffe. Dass mir, wenn ich mich wohler in meinem Körper fühle, auch mit mir selbst wohler ist. Dass ich nicht mehr ewig an Klamotten rumzupfe, aus Angst eine Speckrolle könnte unschön inszenziert werden. Dass ich mir über sowas einfach keine Gedanken mehr machen muss.

Aus dieser Zufriedenheit würde in meiner „Vision“ dann auch einfach mehr Selbstbewusstsein entstehen, das dafür sorgt, dass ich endlich mal für mich einstehe und mich durchsetze.
Und nicht mehr, wie heute, oder früher noch viel ärger, die Klappe halte, damit ich nicht fett UND auch noch großschnäuzig bin.
Ernsthaft. Ich habe so oft meinen Mund gehalten, nur um bei anderen nicht an zu ecken. Und damit ja Keiner sagen konnte: „Was hat die Fette auch noch ne große Fresse am Kopp!“
Ich hatte das Gefühl, wenn ich schon nicht schön anzusehen bin, dann soll mich wenigstens jeder nett finden. Fett und nett. Na super.
Was habe ich davon? Die Leute sagen statt „Frau Yu? Das ist die Fette mit der großen Klappe.“ nun halt (vermutlich) Sachen wie „Frau Yu? Ja, das ist diese Dicke. Die ist aber nett.“
Die nette Dicke also. Echt mal, damit gewinnt man im großen Spiel des Lebens nun nicht unbedingt ’nen Blumentopf, oder?
Und auch hier hab ich schon Veränderungen auf meinem Weg bemerkt. Ich sage öfter klar, was ich denke, was ich will und nicht will, weil das Gefühl meine fehlende Ästhtetik wett machen zu müssen einfach immer schwächer wird.

Versteht mich nicht falsch, es geht nicht darum, zur Ego-Sau zu mutieren, sondern darum, sich nicht mehr so viel gefallen zu lassen.

Klar, es ist traurig, dass in meinem Speck-Brain solch selbstverständliche Dinge mit Äußerlichkeiten verknüpft sind.
Denn: warum sollte ich nicht heute schon mehr an mich denken? Nur weil die Waage kein Idealgewicht anzeigt? Weil die destruktive Stimme in meinem Kopf immer noch flüstert: „Sei nett, sonst mag Dich Keiner! Jaaa, dafür kannste Dich ruhig mal selbst hinten anstellen!“
Gelernt bleibt gelernt. Es ist schwer, etwas, dass man sein Leben lang so gehandhabt hat, ab- oder auszuschalten, auch wenn einem klar ist, dass man sich selbst verrät und vor allem, dass das hirnloser Quatsch ist.

Aber kommt Zeit, kommt Rat Erkenntnis. Ich entdecke mich auf meiner Abnehmreise immer wieder neu und anders.
Mal ganz von physischen Entdeckungen wie plötzlich wieder auftauchenden Hüftknochen und besser werdender Kondition abgesehen.
Ich arbeite nicht nur an meinem Erscheinungsbild, sondern auch daran, was in mir drinnen los ist.
Und das, was da innen manchmal so tobt, ist oftmals viel schwieriger zu bekämpfen als das Gewicht.

 

 

Die ewige Herausforderung

Wie ich bereits schrieb, gab’s am Samstag einen Frauenabend und somit meine erste Chance in diesem Jahr, mal gepflegt „Nein“ zu sagen.
Ich habe mein Vorhaben durchgezogen und den ganzen Abend über Wasser getrunken.
Ich trinke am liebsten Wasser, wenn es um Erfrischungsgetränke geht. Cola mag ich nicht besonders, auch nicht in light.
Also blieb es bei Wasser.

Die Begründung, dass ich weiter Abnehmen wollte wurde akzeptiert. Es kam „Ja, ich sollte auch mal wieder…“ und auch „Kann ich verstehen, dass Du Dir deine letzten Erfolge nicht versauen willst.“

Über den Abend, mit steigendem Pegel bei den Anderen, kamen zwar vereinzelt Kommentare wie
„Ach, das sieht so trauuuurig aus mit dem Wasser in der Hand!“ und schon bevor wir losgingen gab es Zweifel, ob ich denn nüchtern überhaupt lange durchhalten würde.
Ich war um 07:00 am Sonntagmorgen im Bett. So viel also dazu. 😉

Ging also! Yay. Wieder im Vorfeld viel zu viele Gedanken gemacht. Aber das ist so, wenn man eine Stimme mit eigenem Appartment im Kopf wohnen hat.
Jedenfalls: gute erste Übung!
Ich muss auch dazu sagen, wenn die Ladies, mit denen ich los wahr, das nicht verstanden hätten, wer dann?
Immerhin sind es Freundinnen und keine Bekannten um 57 Ecken.

Es wird auch schwierigere Fälle geben, aber ich hab mir vorgenommen, dass nun durchzuziehen.
Ehrlich währt am längst, nech?

P. S.: Trulla dankte mir den alkoholfreien Abend übrigens, indem sie am Sonntagmorgen mittag *hüstl* 200g weniger als am Samstag anzeigte. 🙂

Harte Nuss

Ich habe gerade an einer ziemlich harten Nuss zu knacken. An mir.
Es gibt Momente, da mag ich mich nicht besonders. Nicht äußerlich, innerlich. Und das ist immer denn der Fall, wenn ich mir selbst nicht treu bin, nicht für mich und meine Überzeugung einstehe. Dann ärgere ich mich über mich und mein fehlendes Durchsetzungsvermögen.

Wie ihr wisst, esse ich LCHF. Das ist auf den ersten Blick eine sehr unkonventionelle Art der Ernährung – widerspricht sie doch allen landläufig bekannten Ernährungsweisheiten. Man tanzt mit dieser Ernährung so dermaßen aus der Reihe.

Und das ist mein Problem. Ich tanze nicht gerne aus der Reihe. Ich verschwinde gerne in der Reihe. Irgendwo mittendrin. Bloß nicht auffallen, schon gar nicht negativ. Bloß nicht als kompliziert, eigen oder wählerisch gelten.

Aber warum nicht? Es geht um mich, darf ich da nicht wählerisch sein? Und was ist kompliziert daran, wenn ich den angebotenen Kuchen ablehne und stattdessen einfach den Kaffee trinke, der daneben steht? Im Gegenteil, eigentlich bin ich da doch ein echt unkomplizierter Gast. Gib mir Wasser und Kaffee oder auch Tee und alles ist gut. Du brauchst für mich nicht backen, einkaufen, „tolles“ Essen auffahren.

Trotzdem gerate ich immer wieder in einen Erklärungszwang. Und weil ich eben nicht gerne negativ auffalle, erkläre ich nicht, sondern druckse herum und suche für mein Gegenüber verständliche Erklärungen, anstatt einfach zu sagen: „Pass auf, ich esse kaum KH, dafür mehr Fett, weil es mir gut tut. Weil ich so abnehme und mich nicht mehr wie der letzte Zuckerjunkie durch die Gegend fresse.“

Und es ärgert mich immer und immer wieder, dass ich einfach nicht den Arsch in der Hose habe zu sagen: „Weil ich das so will. Fertig.“

Bloß keinem auf den Schlips treten, bloß nicht auffallen und mir lieber selbst in den Rücken fallen oder mich mit Notlügen aus der Affäre ziehen. Dabei hasse ich es zu lügen. Auch kleine Lügen finde ich ätzend. Aber es ist einfacher zu sagen: „Oh Du hast Nussecken gebacken? Tut mir leid, ich vertrage keine Nüsse.“ als sich auf eine Diskussion zur Ernährung einzulassen oder eine genervtes Augenrollen zu ernten, weil man ja so komisch isst.

Dabei wäre es doch schon ein Anfang einfach auf solche Angebote mit „Nein, Danke, ich möchte abnehmen“ zu antworten. Das sollte doch wohl eigentlich verständlich genug sein.
Aber auch dann gibt es Reaktionen wie:
„Ach, komm, einmal ist keinmal.“
„Gönn Dir doch mal was.“
„Aber ich hab extra gebacken!“
Die letzte Reaktion finde ich übrigens so richtig mies. Erst mal schön ein schlechtes Gewissen hervorrufen, weil X sich doch so eine Mühe gegeben hat und die wird nun schändlich von mir verschmäht. Tsas! Habe ich denn irgendwann darum gebeten, dass X für mich backen soll? Ich könnte mich nicht entsinnen.

Besonders schön ist auch immer wieder die Diskussion um den Alkoholgenuss. Ab und an trinke ich gerne mal Alkohol. Schmeckt ja auch gut. Aber ich brauche das nicht regelmäßig. Aber immer wenn ich auf Partys / sonstigen Anlässen nichts trinke, werde ich gefragt, wieso.
„Weil ich heute keine Lust auf Alkohol habe.“
Und wieder gehen die Diskussionen los und es wird garantiert noch mindestens 7-mal nachgefragt, ob ich denn wirklich, wirklich nichts trinken will.
Dann wird spekuliert, ob ich nicht vielleicht schwanger bin.
Dann wird bei jeder neuen Runde, die ausgegeben wird noch mal extra betont „Ach Du ja nicht, Frau Yu.“ und im Subtext schwingt ganz leise ein hämisches „Du Spaßbremse“ mit.

Und auch in solchen Situationen habe ich schon geflunkert: „Nee, ich nehme zur Zeit Medikamente.“ oder „Nee, ich fühl mich nicht so gut.“. Eben weil ich wusste, dass das „Nee, ich habe keinen Bock auf Alkohol.“ nur wieder zu müßigen Diskussionen führen würde.
Und ich find das so Banane. Ich muss mich rechtfertigen, wenn ich keinen Alkohol trinke? Es ist also normal, zu trinken, aber wenn man nichts trinkt ist man ein Sonderling? Verdrehte Welt, aus meiner bescheidenen Warte.

Aber ich schweife ab.
Es geht ja eigentlich gerade um meine Unzufriedenheit mit mir selbst.

Ich weiß:
Wer meine Entscheidungen nicht akzeptieren kann, ist kein Freund.
Wer mich und meine Pläne boykottieren will, ist kein Freund.
Wer meine Situation nicht respektiert, ist kein Freund.
Ich muss meinen eigenen Weg gehen.
Ich bin verantwortlich dafür, was ich zu mir nehme.
Ich muss mich nur vor mir selbst rechtfertigen, vor keinem sonst.
Ich weiß das alles, nur fällt mir das Umsetzen manchmal oft schwer, weil ich nicht den Mumm habe, für mich einzustehen.

Deswegen ist das auch ein Vorsatz, der mich seit Jahren begleitet: mich mehr für mich selbst einsetzen.

Ich bin gespannt, ob ich das irgendwann mal auf die Reihe bekomme.