Wiegetag KW 30/2016 und Gedankenmatsche

Heute morgen hätte ich mir gewünscht, Trulla wäre weiterhin im Urlaub, so wie letzte Woche.
89,0  zeigte sie an. Ganz schön unverschämt.
Nun denken bestimmt einige: „Haha! Da hat sich die Yu aber schön was drauf gefressen in ihrer waagenfreien Woche!“
Hm. Nö. Gestern zeigte Trulla nämlich noch 87,5 an.
Ich hätte also gestern ca. 10.500 Kalorien über meinem Bedarf essen müssen, damit das eine echte Zunahme wäre.
Ich kann euch versichern: hab ich nicht. 😀

Jedoch, auch wenn ich weiß, dass das nur Wasser ist und sich bald wieder verflüchtigt, es nervt mich an gerade. Ja.
Nicht, dass der Tag für mich jetzt gelaufen wäre, aber ein bisschen zieht so ein Schwupp nach oben die Laune dann doch runter.

Das Schöne ist aber, seit der Lektüre von „Fettlogik überwinden“ habe ich bei solchen Ausreißern nun die (relative) Gelassenheit, zu Wissen, dass das nur Wasser sein kann.
Früher hab ich in solchen Momenten nämlich gerne den „JETZT IST AUCH ALLES SCHEISSEGAL! DU MACHST UND TUST UND NIMMST IMMER NUR ZU!!“-Film gefahren und mich all meinen Gelüsten hingegeben.
Das hat dann dafür gesorgt, dass die Wasserzunahme sich irgendwann in eine echte Zunahme gewandelt hat. Voll logisch, so zu handeln, ey.

Aber apropos Gelüste. Ich gebe offen zu, gerade fordert mich LCHF ganz schön heraus.
Also eigentlich nicht LCHF, sondern alles andere. Es ist momentan schwer, in meinem Plan zu bleiben. Das ist es, was mich herausfordert und mir einiges abverlangt.
Ja, LCHF bedeutet für mich streckenweise immer noch Verzicht. Die meiste Zeit nicht. Aber ab und zu eben doch.
Und ich arbeite immer noch daran, die Gefahren zu erkennen und zu analysieren, warum ich auf einmal Gelüste entwickle und dieses nervtötende Gefühl, ungerechterweise auf alles verzichten zu müssen (mimimiiiii) sich breit macht.

Oft ist es der Grund echt einfach zu finden: Zyklusnerverei.
Rund um den Eisprung bin ich nicht nur krampfig unterwegs, sondern habe auch Heißhunger. Auf ungefähr ALLES.
Da ist es nicht immer leicht, den Verlockungen, die hier im Hause rum liegen, zu widerstehen. Nutella, Schokozeugs, Eis und sowas. Das ist hier eigentlich immer vorhanden, da Herr Yu ja nur Teilzeit-LCHF isst.
Wenn mich das dann so anmacht, dass es gefährlich wird, verputzt Herr Yu das Zeug ganz schnell, oder nimmt es mit ins Büro oder so. Hauptsache raus aus meinem Sichtfeld.

Manchmal sind die Gründe aber diffuser und schwieriger zu fassen.
Ich bin und bleibe emotionaler Esser.
Und es gibt viele Emotionen. Also gibt es für mich auch viele Gründe, zu essen.
Frust zum Beispiel. Bin ich wegen irgendetwas frustriert und sei es nur unterschwellig, dann schlägt sich das direkt in meinem Essverhalten nieder.
Als wollte ich das Frustgefühl in mir durch leckeres Essen wieder ausgleichen, anstatt schlauerweise den Ursprung des Frusts aktiv zu bekämpfen.

Und dann wäre da noch das Situationsessen.
Kennt ihr das auch? Essen, weil die Situation gerade passt?
– Es ist gerade so gemütlich vorm Fernseher, da muss man doch was knabbern.
– Klein Yu ist endlich eingeschlafen und jetzt hab ich endlich mal Zeit, mich zu verwöhnen.
– Wir spielen ein Gesellschaftsspiel, da muss doch was zum Naschen dabei sein.
– Es ist Sommer, da möchte ich ein Eis essen.
– Es ist Winter, da möchte ich einen heißen Kakao trinken und Kekse reintunken.
– Es ist Geburtstag, da gehört doch ein Kuchen dazu.
– Es ist Urlaub, da muss man das nicht so genau nehmen.
– …

Und dann die Langeweile.
„Langeweile im Mund“, nannte das eine Freundin von mir mal.
Fand ich sehr passend.
Im StudiVZ gab es früher auch mal die Gruppe „Mir ist langweilig. Was könnte ich denn mal essen?“ Ich bin also nicht alleine mit diesem Langeweilerumgefresse.
Aber besser macht es das auch nicht.

Nun ja. Jedenfalls habe ich momentan mit einer netten Mischung aus all diesen Gründen zu kämpfen und deswegen ist es gerade wieder einmal etwas schwieriger als sonst.
Aber Aufgeben ist keine Option. Wissta, ne?

Und wisst ihr was mir gestern abend im Bett durch den Kopf geschossen ist?
Ziemlich genau vor einem Jahr, habe ich das LCHF-Handtuch schon einmal geschmissen. Bzw. hab ich es damals für einige Zeit ganz hinten in den Schrank gelegt.
Ihr erinnert euch, dass ein Becher Eis mich letztes Jahr im Sommer ins Straucheln brachte? Und dass ich drei Monate wüst rumgefressen habe?
Ja. Das war ziemlich genau vor einem Jahr.
Und jetzt habe ich mich gefragt, ob ich nicht gerade mal wieder unbewusst dabei bin, mich selbst zu sabotieren?!
Das kann doch kein Zufall sein, dass ich genau jetzt wieder so essdoof werde, oder?!

Jedenfalls habe ich dann beschlossen: keine Chance. DAS passiert mir jetzt nicht wieder. NEIN! NEIN! NEIN!

So. Jetzt seid ihr wieder im Bilde, was hier so los ist.
Mal sehen, wie ich das jetzt alles in den Griff bekomme. *seufz*

 

Wer das liest…. ist NICHT doof.

Es gibt wenige Bücher, die mich auf meinem Abnehmweg in irgendeiner Weise so richtig beeinflusst haben. Aber eines gehört unbedingt dazu…
Nadja, die selbst 85 kg abgenommen hat, hat dieses Buch geschrieben und ich habe es Euch schon einmal empfohlen.
Und ich  werde es wieder tun!
Und zwar genau jetzt.

Es geht also um das Buch „Fettlogik überwinden„.

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Es ist kein Diätratgeber, es ist kein Wohlfühllaberbuch, es ist ein Buch, das mit Fettlogiken, also Abnehmmythen, aufräumt, die sich in unseren Köpfen eingenistet haben.
Nadja propagiert darin keinen bestimmten Abnehmweg, gibt keine Pläne oder irgendetwas vor, sie zeigt lediglich (lediglich ist gut..), dass Abnehmen möglich ist. Immer.
Wieso ist dieses Buch so wichtig für mich?

Es hat mir das Abnehmen erleichtert!
Es hat in meinem Kopf aufgeräumt, Vorbehalte ausgewischt und Sachen, an die ich jah-re-lang geglaubt habe, als Irrtümer entlarvt.

Beispiele?
Jahrelang habe ich geglaubt, ich dürfte nicht zu wenig essen, weil ich sonst in den berühmten Hungerstoffwechsel gerate und mein Körper dann erst recht zulegt.
Das Buch widerlegt dies fundiert und hat mir die Angst genommen, meinen Stoffwechsel irgendwie runterzufahren, weil ich mal ein paar Tage „zu wenig“ gegessen habe.

Jahrelang habe ich geglaubt, ich hätte einen miesen Stoffwechsel, den ich mir im schlimmsten Fall auch noch selbst zerstört habe, in dem ich Diät gehalten habe.
Auch diese Mythen werden als ebensolche entlarvt.

Jahrelang habe ich gesagt: „Es sind die Gene. Bei uns in der Familie sind alle dick.“
Warum das auch kein Grund ist, dick zu sein, habe ich in dem Buch erfahren.

Es gibt noch viele, viele Dinge, die ich geglaubt habe, weil sie uns allen schon seit Jahren durch Medien und Abnehmgruppen falsch vermittelt und vorgebetet werden, und die in diesem Buch schlichtweg als falsch enttarnt werden.

Vor allem hat dieses Buch eines für mich getan: es hat mir die Augen geöffnet, dass ich und nur ich es in der Hand habe, wie mein Gewicht sich entwickelt.
Ich bin nicht hilflos irgendwelchen seltsamen Übermächten ausgeliefert.

Wieso ich Euch das Buch gerade jetzt noch einmal empfehle?
Weil es nun auch als Druckversion erhältlich ist!
Bisher gab es nur die E-Book-Version, was vielleicht nicht jedermanns Sache ist.
Also. Lest das Buch. Echt jetzt.

Und lest ruhig auch mal Nadjas Blog zum Thema durch! Auch hier gibt es viel zu erfahren. Nadja legt nämlich nicht die Hände in den Schoß, jetzt da sie schlank und das Buch einmal fertig ist. Nein. Auf dem Blog setzt sie sich immer weiter mit, teilweise neuen, Fettlogiken auseinander und schreibt darüber zum einen echt unterhaltsam und vor allem nie auf blauen Dunst, sondern immer nach vernünftiger Recherche.
Der Blog gehört fest zu meiner täglichen Leseliste.

 

Noch ne Logik….

Ich habe ja schon angedroht, dass ich weiterhin überlege, in welchen Situationen ich noch an Fettlogiken glaube.
Und wie das so ist, wenn man angestrengt überlegt, fällt einem nix ein.
Und dann ist man auf einmal in einer bestimmten Situation, verhält sich vollkommen Banane und es fällt einem wie Schuppen von den Augen.

Ich habe eine total tolle Logik. Ich weiß nicht, ob man dazu wirklich Fettlogik sagen kann, vielleicht ist es eher eine Diätlogik.

„Heute ist ja Wiegetag, da kannste ein bisschen mehr essen!“

Klingt bekloppt? Ist es auch. „Gelernt“ habe ich das bei WW.
In den Gruppentreffen waren so viele Menschen, die bis zum Wiegen am Abend nichts gegessen und getrunken haben, weil sie meinten, dass sie dann abends auf der Waage leichter sind.
Und dann ging noch während des Treffens das Gefresse los.
Entweder kaufte man sich irgendwelche WW-Riegel, oder kaute auf mitgebrachten Äpfeln rum oder packte (ohne Scheiß) Tupperdosen mit diversen Gemüseschnitzen aus und aß diese dann.

Und nicht selten war dann zu hören: „Hehe, heute ist ja Wiegetag gewesen. Gleich erst mal zu McD. Hab ja eine Woche Zeit, das wieder auszubügeln.“

Und das traurige: ich hab auch oft genug gedacht, „Ach heute haust Du mal richtig rein. War ja Wiegetag.“
Und das allertraurigste: ich habe festgestellt, dass ich das anscheinend immer noch in mir verankert habe.
Als ich letzte Woche mein Gewicht gepostet habe, dachte ich danach beim Essenplanen „Och, heute war ja Wiegetag, da kannste ruhig ne größere Portion essen.“
Dann fiel ich mir, glücklicherweise, gedanklich selbst ins Wort: „Samma, spinnst Du eigentlich? Es wird genau so vernünftig gegessen, wie sonst auch. Es geht hier nicht um Wiegetage, sondern um langfristige Ziele, Du Birne!“

Hammer, mit welchen Mitteln man sich selbst bescheißt.

Akzeptanz oder Ignoranz?

(Achtung das hier wird lang!)

Ich muss sagen, das Buch „Fettlogik überwinden“ hat bei mir einiges in Gang gesetzt – mental.
Ich habe mich dadurch auch mal näher mit dem Thema „Fat Acceptance“ beschäftigt.
Theoretisch ist das grundlegende Ziel dieser Bewegung, dass dicke Menschen nicht wegen ihres Gewichts und ihres Aussehens diskriminiert werden sollen.
Ein Ziel, das ich gerne unterschreibe.

Ich finde niemand sollte auf Grund seines Aussehens fertig gemacht werden.
Ich selbst wurde auch schon oft genug blöd angequatscht, vor versammelter Mannschaft fertig gemacht oder durfte versehentlich mit anhören, wie über mich gelästert wurde.
Ich habe mich geärgert, geschämt und oft genug geweint deswegen.
Doch je mehr ich zum Thema Fat Acceptance lese, desto mehr macht sich Verwunderung bei mir breit.
Vielen scheint es dabei gar nicht darum zu gehen, gegen Diskriminierung vorzugehen, sondern eher eine Rechtfertigung für das Dicksein zu finden.
Immer und immer wieder lese ich dieselben Aussprüche:

1. Ich bin halt dazu gemacht, dick zu sein.
2. Diäten funktionieren nicht.
3. Ich muss das Essen nur ansehen, dann nehm ich schon zu.
4. Nur weil ich dick bin, heißt das nicht, dass ich krank bin.
5. Auch Dünne haben kaputte Knie/Diabetes/Rückenleiden…
6. Ich kann alles machen was ich will.
7. Ich fühl mich wohl, wie ich bin.
8. Du hasst einfach nur dicke Menschen!

Das sind jetzt einige Beispiele, es gibt noch viele mehr.
Ich möchte auf diese hier aber nun mal, aus meiner ganz eigenen Erfahrung heraus, näher eingehen.

1. Ich bin halt dazu gemacht, dick zu sein
Ich bin mir ganz, ganz sicher, die Natur würde niemanden dick planen. Das Dicksein belastet Gelenke, Organe, Muskeln – einfach den ganzen Körper.
Das merke ich selbst jeden Tag aufs Neue. Mein Knie schmerzt bestimmt nicht, weil ich einfach Pech gehabt habe, sondern weil ich jeden Tag über 100 kg durch die Gegend schleppe.
Schickt mich mal ein paar Etagen die Treppe rauf oder einen etwas steileren Anstieg hoch. Ich komme schwitzend, prustend und schnaufend oben an. Mit hochrotem Kopf.
DAS kann die Natur nicht gewollt haben. Echt nicht.

2. Diäten funktionieren nicht
Eine meiner Lieblingsaussagen. Generell. Hab ich selbst schon 1.000 mal gesagt bekommen.
„WW funktioniert nicht. Die Leute kommen immer wieder in die Gruppen zurück. Kaum einer hält sein Gewicht.“
„LCHF funktioniert nicht. Die Leute fangen immer wieder von neuem an.“
„FDH funktioniert nicht. Die nehmen hinterher alle wieder zu.“
Und da haben wir schon die Krux, das kleine Wörtchen HINTERHER.
Es gibt kein Hinterher. Nach der Diät ist vor der Diät ist während der Diät.
So einfach ist das.
Egal welche Methode man zum Abnehmen nutzt, man muss dabei bleiben.
Gerne wird zitiert „98% aller Diäten scheitern“. Nee, die Diäten scheitern nicht, die Menschen scheitern. An sich selbst und ihren Vorstellungen.
Denn solange man glaubt, man könne hinterher wieder „normal“ essen, wird man scheitern und wieder dick werden.
Das, was man jahrelang als „normal essen“ empfunden hat, ist nicht „normal“, sonst hätte es einen nicht dick gemacht.

3. Ich muss das Essen nur ansehen, dann nehm ich schon zu.
Jaaahaa, das hab ich auch immer gedacht… aber dazu habe ich ja bereits hier eine ausführliche Analyse betrieben.
Das war auch immer mein Standardsatz: „Ich bin doch kein verfressenes Monster! Ich esse genauso wie mein Mann und nehme zu.“
Um keinen Preis der Welt wollte ich als verfressene Dicke da stehen.
Die Analyse hat mir zwei Dinge klar gemacht:
a) Ich bin wirklich nicht verfressen. Die Portionen sind nicht monströs, sie liegen in Summe nur über meinem Bedarf.
b) Meine Zunahme ist für mich nun logisch, dadurch dass ich die Zahlen mal schwarz auf weiß sehen konnte. Das hat das ganze „Stoffwechselthema“, die angebliche Ungerechtigkeit, entmystifiziert.

4. Nur weil ich dick bin, heißt das nicht, dass ich krank bin.
Nein. Das heißt es nicht. Aber vielleicht ist es auch nur ein „noch nicht“? Wer weiß, wie es aussieht, wenn ich noch weitere 30 Jahre 100+x Kilos mit mir herum schleppe? Was tue ich meinem Körper damit alles an?
Das Dicksein birgt so viele Risiken für die Gesundheit.
Gelenkschäden, Rückenschmerzen, Organverfettung (Schon mal das Wort „Viszeralfett“ gehört? Nee? Dann googlet doch mal…), Diabetes, Schlaganfälle… die Liste kann unfassbar weit fortgesetzt werden.
Und wer das nicht wahrhaben will, setzt -meiner Meinung nach- Scheuklappen auf und ignoriert die schlichte Wahrheit. Natürlich kann man Glück haben uns gesund altern. Aber das ist es dann eben auch: Glück!

5. Auch Dünne haben kaputte Knie/Diabetes/Rückenleiden/…
Ja, das kommt vor. Niemand ist davor gefeit, krank zu werden.
Aber das Übergewicht ist einfach ein Risikofaktor, der die Wahrscheinlichkeit eines der oben genannten Schicksale zu erleiden, um ein vielfaches erhöht.

6. Ich kann alles machen was ich will.
Wirklich? Ich konnte mit 127 kg nicht alles machen, was ich wollte. (Und ich kann es jetzt noch nicht.)
Ich war mal mit 127 kg im Klettergarten. Ich bin auf dem Übungsparcours in der Mitte des Seiles hängen geblieben (war so ne Art Seilbahn) wie ein nasser Sack und konnte mein eigenes Gewicht nicht bis zur nächsten Plattform ziehen. Ich hab einen Panikanfall bekommen, der aber nicht darauf fußte, dass ich Angst hatte, für immer dort hängen zu müssen, sondern darauf, dass mir in dem Moment schmerzlich bewusst wurde, dass ich so dick bin, dass ich mich selbst aus dieser Lage nicht befreien konnte.
Ich war zu schwer für meinen eigenen Körper!
Glücklicherweise war das, wie gesagt, der Übungsparcours, und somit nur knapp 2 m über dem Boden.
Meine herzallerliebste Schwester war dabei und hat mich an den Füßen bis zur nächsten Plattform geschoben, auf der ich dann heulend saß.
OK, jetzt mögen einige sagen „Naja, Hochseilgarten ist ja jetzt auch nichts alltägliches. Das muss man ja nicht können.“ Es geht aber nichts ums müssen, sondern ums wollen!
Aber auch alltägliche Beispiele habe ich noch parat.
Mit 127 kg konnte ich nicht einfach aus dem Sitzen aus der Wanne aufstehen. Ich musste mich erst auf den Bauch drehen und dann über die Knie in den Stand kommen.
Das fand ich schon echt erschreckend, denn früher war es kein Problem einfach so aufzustehen.
Dazu habe ich übrigens mal was im Internet gelesen. Eine dicke Dame hatte ein ähnliches Problem, sie kam nur über die Knie aus der Wanne. Da hat ihr eine andere dicke Dame geraten, doch einfach einen Haken in die Decke schrauben zu lassen, mit einem Seil daran. Daran könnte man sich doch dann hochziehen. Hätte sie auch und das wäre echt knorke!
Leute? Ernsthaft? Wenn ich über solche Maßnahmen nachdenken muss, muss mir doch irgendwann dämmern, dass das, was ich da mit meinem Körper veranstalte, nicht gesund sein kann?
Wie kann ich voller Überzeugung sagen, dass das Übergewicht, das ich mit mir rumschleppe, nicht gefährlich für mich ist, wenn ich nicht in der Lage bin, meine eigene Körpermasse noch normal (!) zu bewegen?

7. Ich fühl mich wohl, wie ich bin.

Ja, das hab ich auch immer gesagt. Bevor ich anfing abzunehmen, haben meine Mutter und meine Schwester, die damals schon einiges abgenommen hatten, immer wieder versucht, mich dazu zu bewegen, mitzumachen.
Mir ging das richtig auf den Sack. Ich wollte einfach in Ruhe gelassen werden und posaunte immer reflexartig heraus: „Schon mal darüber nachgedacht, dass es auch dicke Menschen gibt, die sich mit ihrem Gewicht wohl fühlen?“
Ja, wie heißt es so schön? Getroffene Hunde bellen.
Ich redete mir ein, dass ich mich wohl fühle. Ich wollte glauben, dass ich mich wohl fühle.
Aber in mir drin, da wusste ich eigentlich ganz genau, dass es nicht so ist. Selbst nach dem Vorfall im Klettergarten, der so einschneidend war, redete ich mir ein, dass ich mich doch trotzdem wohl fühle.
Auch wenn ich da heulend gesessen hatte.
Jedes Mal, wenn ich Klamotten einkaufte, fühlte ich mich dermaßen unwohl, weil es wieder nur sackartige Kleidung aus der Moppelabteilung gab, die mir passte.
Aber es war einfacher die Modeindustrie zu verfluchen mit ihren unrealistischen Idealen, als mich mit meinem Gewicht auseinander zu setzen und auch noch was dagegen zu tun. Das wäre ja Arbeit gewesen.
Deswegen kann ich, es tut mir leid, wenn das jemandem vor den Kopf stößt, keinem dicken Menschen glauben, dass er sich uneingeschränkt wohl fühlt.
Ich habe mich in so vielem eingeschränkt gefühlt… ich habe so viele Vermeidungstaktiken entwickelt.
Kaum blitze irgendwo ein Fotoapparat auf, versteckte ich mich ganz hinten.
Wenn Freunde meinten „Lass uns doch heute ins Freibad gehen“, erfand ich Ausreden, weil ich mich im Badeanzug nicht wohl fühlte.
Wenn ich auf eine Leiter steigen sollte und mich die Angst überkam, sie könnte unter mir zusammenbrechen, faselte ich was von „Höhenangst“.
Wenn ich irgendwo diese stapelbaren Plastikstühle sah, überkam mich die Panik, dass ich da entweder mit meinem Hintern gar nicht reinpassen könnte oder der Stuhl unter mir zusammenbrechen könnte. Also setzte ich mich bei Gartenpartys z. B. lieber auf den Boden, oder auf ne Stufe oder sonst was, was sich als Sitzgelegenheit anbot.
Und weil bei mir all diese Vermeidungstaktiken noch so präsent sind, kann ich den Satz „Ich fühl mich aber wohl so, wie ich bin!“ einfach nicht glauben, wenn ich ihn höre.

8. Du hasst einfach nur dicke Menschen!
Das Totschlagargument, wenn man nicht mehr weiter weiß. Gerne werden Menschen, die fundierte Argumente bringen, warum es ungesund ist, dick zu sein, des Fatshamings bezichtigt.
Das bedeutet, man hackt nur einfach gerne auf Dicken rum, weil man sich dann selbst besser fühlt oder eben einfach dicke Menschen hasst.
Oder wenn man selbst dick ist und darüber redet/schreibt, dass man abnehmen will und sich unwohl fühlt, hasst man gleich sich selbst und muss nur lernen, sich so zu lieben wie man ist. Die bösen Medien haben uns nur zu lange mit falschen Idealen zugeschmissen, sodass wir heute jedes Speckröllchen an uns als Fehler sehen anstatt es zu lieben…

Wer bin ich, dass ich irgendwen hassen dürfte? Ich hasse niemanden. Auch mich nicht. Und ich bin ausdrücklich dafür, jeden Menschen so anzunehmen, wie er ist und ihn deswegen nicht fertig machen zu dürfen.

Aber ich weiß, wie es ist dick zu sein. Ich bin immer noch dick. Und das nicht zu knapp.
Aber ich gebe nicht auf.
Ich sehe nicht ein, dass das Dicksein mein schicksalhaftes Los sein soll, dem ich mich fügen muss.
Ich sehe aber ein, dass ich es in der Hand habe, wie ich aussehe, wie dick ich bin, wie viel ich esse, wie viel Sport ich treibe und was ich aus mir mache.

Ich möchte abschließend noch mal sagen, ich will keinem Menschen zu Nahe treten, wenn ich sage: „Ich glaube Dir nicht, dass Du Dich wohlfühlst.“
Ich kann es mir einfach aus meinen Erfahrungen heraus überhaupt nicht vorstellen.
Wenn derjenige aus vollem Herzen und in ganzer Ehrlichkeit zu sich selbst sagen kann: „Du bist so klasse!“ ist das wunderbar.

Ich konnte das nicht. Und ich will das uneingeschränkt zu mir sagen können.

Und wisst ihr warum?
Früher hatte ich immer Gründe wie „Ich will Zeug von der Stange kaufen können!“, „Ich will gut aussehen.“, „Ich will ne Größe XY tragen können.“ aber heute habe ich einen anderen Grund, der mich jetzt wieder voll antreibt:
Meine Tochter!

Ich will eine aktive Mama sein, die mit ihrem Kind klettern gehen, lange Radtouren, Wanderungen, Schwimmbadbesuche machen kann. Ich will im Freizeitpark mit in die Achterbahn, oder auf der Kirmes mit ins Kettenkarussel, ohne zu überlegen, ob ich irgendwo reinpasse oder nicht, ohne Angst zu haben, dass irgendwas unter mir zusammenbricht.
Ich will keine Mama sein, die Papa und Kind bei den Aktivitäten zuguckt, weil der eigene Körper sie am Teilhaben hindert.

Das kann jeder finden wie er will. Aber das ist meine Motivation.
Und während ich das schreibe, bin ich am heulen.

Stoffwechselneid

Robin hat mich in den Kommentaren zu meiner Buchempfehlung gefragt, ob ich aus der Lektüre des Buches „Fettlogik überwinden“ etwas für meinen Abnehmweg ändere oder etwas neues für mich dort heraus ziehen konnte.

Tatsächlich bin ich nach dem Lesen des Buches mal in mich gegangen und habe überlegt, was ich selbst an „Fettlogik“ mit mir herum schleppe.

Und was mir gleich als erstes einfiel: der Stoffwechselneid.
Immer und immer wieder habe ich gejammert: „Buwäääh, der Herr Yu kann essen, was er will. Der passt gar nicht auf und isst, worauf er Lust hat. Und iiiihiiiich? Immer muss ich aufpassen. Das ist so unfair!“

Daraufhin habe ich mich mal mit dem Thema beschäftigt.
Ist Herr Yu wirklich ein Stoffwechselmonster, das verbrennt, was auch immer es oben hinein wirft?
Welchen Kalorienbedarf hat Herr Yu überhaupt? Und wieviel davon verbraucht er tatsächlich?

Also habe ich uns mal verglichen:

Vergleich

Zur Erläuterung des Punktes „Tägliche Bewegung“:
Ich bin mal von meinem normalen Job-Alltag ausgegangen und nicht von der jetzigen Elternzeit.
Ich habe einen Bürojob und sitze dort eigentlich nur. Lediglich zur Toilette, zur Kaffeemaschine oder in ein anderes Büro, um etwas mit Kollegen zu klären, muss ich mal laufen. Also wirklich nichts nennenswertes. Deswegen habe ich bei mir einen „niedrigen Bewegungsgrad“ gewählt.

Herr Yu hat auch einen Bürojob, allerdings muss er viel zu verschiedenen Kollegen laufen, Rechner schleppen, Treppen steigen. Die Firma, für die er arbeitet, verfügt über mehrere Produktionshallen, die weiter auseinander liegen. Dahin läuft er, oder fährt mit dem Rad. Er arbeitet sich aber körperlich nicht kaputt. Deswegen habe ich hier einen „mittleren Bewegunsgrad“ gewählt.

Wir sehen also, ich habe einen Gesamtumsatz von etwa 2.100 Kalorien, Herr Yu einen von knapp 2.700.
Jetzt könnte man denken „Hmm, sind ja eigentlich noch relativ dicht beieinander die beiden.“
Dann schauen wir mal, wie es aussieht, wenn Herr Yu und ich an einem Tag exakt dasselbe essen würden.

Das könnte so aussehen:

Frühstück:

– Ein Käsebrot
– Eine Tasse Kaffee mit 2 TL Zucker (so trinkt Herr Yu den Kaffee)
= 295 kcal

Mittagessen:

– Cevapcici mit Djuvec-Reis in der Kantine
– 2 Tassen Kaffee mit je 2 TL Zucker
= 729 kcal

Abendessen:

– LCHF-Rezept: Spinat-Käse-Taler
= 1.060 kcal

 

Das macht insgesamt 2.084 Kalorien für den Tag.

Ich wäre also schon an meinem Tagesbedarf, Herr Yu hätte noch 600 Kalorien zu verballern.

Wie oft habe ich mich schon geärgert, dass der Gute sich abends noch seine Lieblingssüßigkeit (m&m’s) reinzieht und einfach nicht dicker wird?
Schauen wir doch mal. Herr Yu fegt sich also nach dem Abendessen dann und wann schon mal eine halbe Tüte Erdnussklicker rein. Diese Portion hat einen Kalorienwert von ungefähr 487 Kalorien.

Damit ist Herr Yu dann bei 2.571 Kalorien für den Tag.
Er ist also noch entspannt in seinem Tagespensum, während ich schon 500 Kalorien drüber läge.

Wie oft habe ich schon gesagt: „Mensch, ich esse doch gar nicht mehr als Du! Wieso nehme ich dann zu und Du nicht?! Das ist unfair!“
Jetzt weiß ich, hier ist gar nix unfair. Das ist schlichte Mathematik. Herr Yu isst in seinem Bedarf und ich liege drüber.
Kein Stoffwechselmythos, keine Verbrennungsanlage in Herrn Yu, die da ihr Unwesen treibt.
Er hat einfach einen höheren Bedarf als ich.

 

Und dazu kommt noch was: Herr Yu ist auch mal ganz abgesehen vom Beruf um einiges aktiver als ich.
Er spielt einmal die Woche Fußball. Er ist es, der immer den Müll runterbringt und den Wasserkasten hochschleppt.(Das sind Kleinigkeiten, die sich läppern!)
Er fährt wenn möglich jede Strecke mit dem Rad. Er ist auch an sich ein „unruhigerer“ Geselle als ich.
Er ist irgendwie immer in Bewegung, während ich bewegungsmuffliger bin.
Und das kommt auf seinen Kalorienbedarf noch drauf! Ich habe da oben ja nur den „ganz normalen“ Bedarf, ohne Sport usw. berechnet.

 

Von dieser Fettlogik muss ich mich also schon mal dringend verabschieden.

Ich werde mal weiter überlegen und gucken, ob da nicht noch mehr Fettdenken in mir schlummert.
Falls ich noch mehr finde, werdet ihr es hier lesen können.

 

Robin, ich hoffe, ich bin hiermit schon mal einigermaßen auf Deine Frage eingegangen.

Fettlogik!

Fettlogik? Was soll das denn sein?

Eigentlich kommt der Begriff aus dem englischsprachigen Raum: „fat logic“ oder auch „fatty logic“.
Hierbei geht es um Mythen, fadenscheinige Ausreden und bequeme Allgemeinplätze, die einige dicke Menschen gerne verwenden, um ihre Körperfülle zu rechtfertigen.
Jeder von uns hat doch schon mal gehört: „Ich hab halt schwere Knochen.“ oder „Bei mir in der Familie sind alle dick, ich kann gar nicht abnehmen.“ oder „Manche Menschen sind halt nicht für’s Schlanksein gemacht.“ oder auch den Evergreen „Ich brauche das Essen nur ansehen und nehme schon zu!“.
Mit diesen Aussagen erteilen sich dann einige Übergewichtige gegenseitig oder auch selbst die Absolution, dass sie halt „gar nix dafür können, dass sie dick sind“.

Ich selbst habe jahrelang gedacht, ich hätte es besonders schwer abzunehmen, weil ich „Essen nur anschauen muss“, um zuzunehmen.
Dann habe ich festgestellt, dass ich einfach zu viel esse. Ja, tatsächlich, so einfach ist des Rätsels Lösung.
Ich hab mich jahrelang selbst betuppt, was ich aber erst merkte, als ich mich mit meiner Ernährung mal richtig auseinander gesetzt und Buch darüber geführt habe.

Wie komme ich jetzt auf das Thema? Ganz einfach:

Die großartige Erzählmirnix (<– klickt mal drauf, wenn Ihr sie noch nicht kennt) hat sich mit diesem Thema nun auseinander gesetzt und ein Buch dazu geschrieben.
Es heißt „Fettlogik überwinden“ und ist als Kindle-Version bei Amazon erhältlich.

Doch wer ist diese Erzählmirnix eigentlich und was befähigt sie dazu, mit diesen Abnehmmythen aufzuräumen?
Erzählmirnix, oder Dr. Nadja Hermann, wie sie eigentlich heißt, hat einen ernährungswissenschaftlichen Abschluss, dem ein Psychologiestudium folgte. Ihre Diplomarbeit schrieb sie über Diäten und absolvierte eine Ausbildung in Verhaltenstherapie.

Och, wieder so eine, die nur theoretisch daher schwafelt? Eine, die nicht weiß, wie es ist, dick zu sein und in der großen Stoffwechsel-Lotterie einfach Glück gehabt hat?

Mitnichten!

Obwohl sie über all die fachliche Kompetenz verfügte und es „besser hätte wissen müssen“ hat Erzählmirnix es auf ein Körpergewicht von 150 kg gebracht. Da selbst familiär mit Übergewicht vorbelastet und auch noch schilddrüsenerkrankt, hat auch sie lange geglaubt, sie könne einfach nix dafür, dass sie immer dicker wurde.
Dies war ihre höchsteigene „Fettlogik“.
Dann fing sie an, sich mit diesem Thema mal genauer auseinander zu setzen und stellte fest: „Huch, das was ich jahrelang geglaubt habe, stimmt ja so gar nicht!“ und siehe da: sie nahm ab.
Heute wiegt sie sagenhafte 65 kg und ist normalgewichtig. Sie hat also 85 kg abgenommen.
Wenn Ihr mehr über Erzählmirnix als Person erfahren wollt, schaut mal hier nach: Fettlogik überwinden

Doch nun wieder zum Buch.

Denkt nicht, es handele sich hier um einen Diätratgeber, der Euch sagt, wie man abnimmt.
Es geht in dem Buch auch nicht um Nadjas Weg abzunehmen und diesen zu bewerten oder sonst was.
Es ist ein Buch, das über Abnehmweisheiten aufklärt und diese entkräftet.
Gibt es ihn wirklich, den Hungerstoffwechsel? Sind Jojo-Diäten wirklich ungesund? Sind manche Menschen wirklich einfach breiter gebaut als andere?

Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen und ich muss sagen: Leute, macht Euch auf etwas gefasst.
So manches, was wir jahrelang glaubten, wird hier in Frage gestellt und tatsächlich auch – anhand verschiedenster Studien- widerlegt. Oft sitzt man da und denkt: „Aber das kann doch gar nicht sein!“ und dann kann man schwarz auf weiß lesen, dass es eben doch so ist.

Ich spreche aus eigener Erfahrung, wenn ich sage, dass es ziemlich schmerzhaft und auch bitter ist, wenn man erkennt, dass man für sein Gewicht allein die Verantwortung trägt. (Körperliche Gesundheit vorausgesetzt.)
Dass man immer die Entscheidung hat, ob man zu- oder abnimmt.
Dass man immer selbst dafür verantwortlich ist, was und wieviel man isst, wie oft oder selten man zum Sport geht.
Dass es nie das eine Wundermittelchen geben wird, das einem ein schlankes Leben ermöglicht.
Dass Abnehmen und Schlanksein eine lebenslange Aufgabe sein werden.

 

Jedenfalls, empfehle ich euch wärmstens das Buch „Fettlogik überwinden“.

Es wird Euch sicherlich den einen oder anderen Gedankenanstoß geben. Vielleicht werdet Ihr nicht mit allem einverstanden sein, was Ihr da lest, aber genau das ist der Punkt.
Mal hinterfragen, warum man damit nicht einverstanden ist. 😉

 

Übrigens, wenn Ihr kein Kindle habt… es gibt eine Kindle App für Android Geräte und den PC.
Darüber könnt ihr das Buch problemlos lesen.