Wiegetag KW 30/2016 und Gedankenmatsche

Heute morgen hätte ich mir gewünscht, Trulla wäre weiterhin im Urlaub, so wie letzte Woche.
89,0  zeigte sie an. Ganz schön unverschämt.
Nun denken bestimmt einige: „Haha! Da hat sich die Yu aber schön was drauf gefressen in ihrer waagenfreien Woche!“
Hm. Nö. Gestern zeigte Trulla nämlich noch 87,5 an.
Ich hätte also gestern ca. 10.500 Kalorien über meinem Bedarf essen müssen, damit das eine echte Zunahme wäre.
Ich kann euch versichern: hab ich nicht. 😀

Jedoch, auch wenn ich weiß, dass das nur Wasser ist und sich bald wieder verflüchtigt, es nervt mich an gerade. Ja.
Nicht, dass der Tag für mich jetzt gelaufen wäre, aber ein bisschen zieht so ein Schwupp nach oben die Laune dann doch runter.

Das Schöne ist aber, seit der Lektüre von „Fettlogik überwinden“ habe ich bei solchen Ausreißern nun die (relative) Gelassenheit, zu Wissen, dass das nur Wasser sein kann.
Früher hab ich in solchen Momenten nämlich gerne den „JETZT IST AUCH ALLES SCHEISSEGAL! DU MACHST UND TUST UND NIMMST IMMER NUR ZU!!“-Film gefahren und mich all meinen Gelüsten hingegeben.
Das hat dann dafür gesorgt, dass die Wasserzunahme sich irgendwann in eine echte Zunahme gewandelt hat. Voll logisch, so zu handeln, ey.

Aber apropos Gelüste. Ich gebe offen zu, gerade fordert mich LCHF ganz schön heraus.
Also eigentlich nicht LCHF, sondern alles andere. Es ist momentan schwer, in meinem Plan zu bleiben. Das ist es, was mich herausfordert und mir einiges abverlangt.
Ja, LCHF bedeutet für mich streckenweise immer noch Verzicht. Die meiste Zeit nicht. Aber ab und zu eben doch.
Und ich arbeite immer noch daran, die Gefahren zu erkennen und zu analysieren, warum ich auf einmal Gelüste entwickle und dieses nervtötende Gefühl, ungerechterweise auf alles verzichten zu müssen (mimimiiiii) sich breit macht.

Oft ist es der Grund echt einfach zu finden: Zyklusnerverei.
Rund um den Eisprung bin ich nicht nur krampfig unterwegs, sondern habe auch Heißhunger. Auf ungefähr ALLES.
Da ist es nicht immer leicht, den Verlockungen, die hier im Hause rum liegen, zu widerstehen. Nutella, Schokozeugs, Eis und sowas. Das ist hier eigentlich immer vorhanden, da Herr Yu ja nur Teilzeit-LCHF isst.
Wenn mich das dann so anmacht, dass es gefährlich wird, verputzt Herr Yu das Zeug ganz schnell, oder nimmt es mit ins Büro oder so. Hauptsache raus aus meinem Sichtfeld.

Manchmal sind die Gründe aber diffuser und schwieriger zu fassen.
Ich bin und bleibe emotionaler Esser.
Und es gibt viele Emotionen. Also gibt es für mich auch viele Gründe, zu essen.
Frust zum Beispiel. Bin ich wegen irgendetwas frustriert und sei es nur unterschwellig, dann schlägt sich das direkt in meinem Essverhalten nieder.
Als wollte ich das Frustgefühl in mir durch leckeres Essen wieder ausgleichen, anstatt schlauerweise den Ursprung des Frusts aktiv zu bekämpfen.

Und dann wäre da noch das Situationsessen.
Kennt ihr das auch? Essen, weil die Situation gerade passt?
– Es ist gerade so gemütlich vorm Fernseher, da muss man doch was knabbern.
– Klein Yu ist endlich eingeschlafen und jetzt hab ich endlich mal Zeit, mich zu verwöhnen.
– Wir spielen ein Gesellschaftsspiel, da muss doch was zum Naschen dabei sein.
– Es ist Sommer, da möchte ich ein Eis essen.
– Es ist Winter, da möchte ich einen heißen Kakao trinken und Kekse reintunken.
– Es ist Geburtstag, da gehört doch ein Kuchen dazu.
– Es ist Urlaub, da muss man das nicht so genau nehmen.
– …

Und dann die Langeweile.
„Langeweile im Mund“, nannte das eine Freundin von mir mal.
Fand ich sehr passend.
Im StudiVZ gab es früher auch mal die Gruppe „Mir ist langweilig. Was könnte ich denn mal essen?“ Ich bin also nicht alleine mit diesem Langeweilerumgefresse.
Aber besser macht es das auch nicht.

Nun ja. Jedenfalls habe ich momentan mit einer netten Mischung aus all diesen Gründen zu kämpfen und deswegen ist es gerade wieder einmal etwas schwieriger als sonst.
Aber Aufgeben ist keine Option. Wissta, ne?

Und wisst ihr was mir gestern abend im Bett durch den Kopf geschossen ist?
Ziemlich genau vor einem Jahr, habe ich das LCHF-Handtuch schon einmal geschmissen. Bzw. hab ich es damals für einige Zeit ganz hinten in den Schrank gelegt.
Ihr erinnert euch, dass ein Becher Eis mich letztes Jahr im Sommer ins Straucheln brachte? Und dass ich drei Monate wüst rumgefressen habe?
Ja. Das war ziemlich genau vor einem Jahr.
Und jetzt habe ich mich gefragt, ob ich nicht gerade mal wieder unbewusst dabei bin, mich selbst zu sabotieren?!
Das kann doch kein Zufall sein, dass ich genau jetzt wieder so essdoof werde, oder?!

Jedenfalls habe ich dann beschlossen: keine Chance. DAS passiert mir jetzt nicht wieder. NEIN! NEIN! NEIN!

So. Jetzt seid ihr wieder im Bilde, was hier so los ist.
Mal sehen, wie ich das jetzt alles in den Griff bekomme. *seufz*

 

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Phase 3

Ich habe hier auf meinem Schnuckelblog schon oft erwähnt, dass ich zuckersüchtig bin.
Vielleicht zu oft in Nebensetzen wie „Einmal Junkie, immer Junkie“ etc.
Aber heute will ich mal ganz explizit über diese Sucht schreiben.

Oft ernte ich irritierte Blicke, wenn ich sage, dass ich LCHF vor allem auch gewählt habe, weil es mir hilft meine Zuckersucht in den Griff zu bekommen.
„Zuckersucht. Jetzt ist sie total durchgedreht.“ kann ich dann in vielen Augen lesen. „Jeder isst doch gerne mal süß.“ bekomme ich dann als Antwort.
Aber mit „süß“ allein hat das noch nicht mal unbedingt etwas zu tun.

Doch fangen wir mal ganz anders an. So wie ich bei meiner Recherche.
(Ohoooo, Frau Yubaba recherchiert, bevor sie einfach wild auf die Tasten kloppt und hofft, es möge ein veröffentlichbarer Artikel dabei entstehen? Sapperlot!)
Ich habe nach den verschiedenen Phasen für eine Sucht gesucht.

Schnell fand ich eine Liste mit 6 Punkten, die typisch für eine Suchterkrankung sind.

  1. Zwang, die Droge zu konsumieren
  2. Kontrollverlust
  3. Immer mehr wollen
  4. Die Droge wird zum Lebensmittelpunkt
  5. Gebrauch der Droge wider besseren Wissens
  6. Entzugssymptome

Dann ging ich mal Punkt für Punkt durch.

Zwang
Ja, den Zwang zu essen kenne ich. Wie oft habe ich schon gesagt, oder auch hier geschrieben, dass irgendwelche Lebensmittel mich so lange „genervt“ haben, bis ich sie gegessen habe. Das kann zum Beispiel eine Tüte Lakritz sein, aber auch ein Kuchen, Plätzchen oder Toastbrot.
Das Essen ging mir nicht aus dem Kopf, bis ich endlich klein beigegeben habe.
Immer mit dem Vorhaben „nur eine Hand voll“, „nur ein Stück“, „nur eine Scheibe“.
Erst mit dem Biss in das jeweilige Produkt war die innere Stimme ruhig. Aber nur kurz.
Was ohne Umwege zu Punkt zwei führte, dem

Kontrollverlust
Der Kontrollverlust ist mir auch wohlbekannt. Denn aus „nur eine Hand voll“ wurde irgendwie, ganz unbemerkt „Huch, die 300g Lakritz sind ja leer.“ oder „Hoppla, wo sind denn die 2 Rollen Softcakes hin?“
Und dann kommt die Stimme wieder, die ich gerade doch erst mit dem Essen ruhig gestellt hatte. „Naja, jetzt ist die Tüte leer, aber da ist doch noch Kuchen von gestern.“
„Nein, das wäre jetzt eklig, Stimme.“
„Ach ach ach. Kuchen! Kuchen ist lecker. Und egal ist es nach der Tüte Lakritz sowieso schon!“
Naja, kurz gesagt, ging dann auch alles andere Verlockende drauf. Nach und nach. Und irgendwann wurde ich „wach“ und sah, was ich alles gefressen hat. Ja, gefressen.
Ohne es richtig zu spüren, wahrzunehmen. Es geht gar nicht um den Geschmack, es geht ums Essen an sich!

Immer mehr wollen
So. Am Anfang macht man vielleicht ein, zwei mal so ein Fresstival.
Doch irgendwann wird die Ausnahme zur Gewohnheit. Abends nach einem schweren Arbeitstag muss doch verdammtnochmal eine Belohnung drin sitzen! Also wird ein Becher Eis gekauft. Am liebsten amerikanisches Erdnussbuttereis mit Erdnussbutterschokolade darin. Wenn schon denn schon.
Und ich könnte ja nur so eine kleine Kugel, so als süßen Ausgleich für den bitteren Arbeitsalltag.
Aber nein, plötzlich ist der Becher leer. Eine ganze Packung Eis ist in mir verschwunden.
Und ein Riegel Schokoalde reicht schon lange nicht mehr, lieber gleich eine Tafel.
Und wer isst schon eine Hand voll Chips? Leer sein, muss sie die Tüte.
Eine Scheibe Toast? Ha. Das ist ja gar nichts. Lieber gleich mal 4 Scheiben auftoasten und anschließend noch mal 2.
Irgendwie wird das Essen immer wichtiger und wichtiger und  bald ist es der

Lebensmittelpunkt
Echt Leute, bei dieser Suchtphase habe ich erst gedacht: „Wasn Quatsch, also das trifft auf mich ja so gar nicht zu!“
Und dann hab ich überlegt.
Es gab Zeiten in meinem Leben, da saß ich im Kino und habe während des Films nur darüber nachgedacht, was ich beim anschließenden McD/BK/KFC/Wasauchimmer-Besuch essen würde. Den. ganzen. verdammten. Film. lang.
WIE TRAURIG IST DAS BITTE?
Es gab weitere Situationen in meinem Leben, die aus meiner Sicht nur mit bestimmten Lebensmitteln perfekt wurden.
Mit dem schlonzigen Burger plus die Nuggets plus die Pommes bitte groß.
Mit der heißen Schokolade am Ende des Winterspaziergangs.
Mit dem Eis beim Stadtbummel.
Einige werden jetzt sagen, „aber na, das gehört doch auch mal dazu. Sich was zu gönnen!“
Aber das war (ist) bei mir anders. Das Essen hatte mehr Bedeutung, als die Aktivität selbst. Versteht ihr?
Und das führte auch schließlich zum

Essen wider besseren Wissens
Ich sah und fühlte, wie ich dicker und dicker wurde. Dass die Hosen enger, die Auswahl im Laden kleiner und die Stufen hoch in den zweiten Stock mysteriöserweise irgendwie immer mehr wurden. Ich sah auch Zahlen auf der Waage, die alles andere als gesund waren. „Ich bin zwei schlanke Frauen schwer!“
Und was tat ich? Essen. Weiter essen, was nicht bei drei auf dem Baum war.
Und einfach  nur um zu essen. Auch wenn ich mittags schon eine komplette Mahlzeit gegessen hatte. Auch wenn ich eigentlich überhaupt keinen Hunger hatte. Nur weil das Scheißzeug einfach verfügbar war.

Entzugssymptome
Oh ja. Die kenne ich. Schlechte Laune, das ewige Kreisen der Gedanken um das Essen.
Das ewige Gejammer, dass man verdammtekackenochmal jetzt Schokolade braucht, um den Tag überhaupt zu überstehen.
Alle essen Schokolade, wieso darf ich nicht? Ein Stück Schoko, komm nur ein Stück! Und so weiter und sofort.
Besonders krass ist natürlich der Entzug, den ich bei der Umstellung auf LCHF durchmachte.  Die sogenannte „Low Carb Grippe„.
Ich fühlte mich einfach matschig. Hatte rasende Kopfschmerzen. War müde und übellaunig.
(Diese Beschwerden sind darauf zurückzuführen, dass der Körper nun keine schnellverfügbaren Kohlenhydrate vorgesetzt bekommt, an die er so gewöhnt ist, sondern lernen muss, seine Energie anders herzustellen. Glücklicherweise ist man nach ein paar Tagen da durch und fühlt sich danach energiegeladener denn je. Klickt mal auf den Link, wenn ihr das genauer wissen wollt. Ich kann das bei weitem nicht so gut erklären.)

Nun, ich konnte mich also in allen Phasen wieder erkennen. Schon schön.
Und ich sage Euch, es ist verdammt schwer sich das einzugestehen, dass das eben kein normales Essverhalten ist, sondern ganz klares Suchtverhalten.

Mit LCHF ist es sehr viel einfacher, diese Sucht im Zaum zu halten. Ich habe es schon mal irgendwo erwähnt. Der Blutzuckerspiegel bleibt gleichmäßig ruhig, es gibt keine Heißhungerattacken mehr, es ist Ruhe in Frau Yubaba angesagt.
Das heißt nicht, dass ich nur noch so durch die Gegend hüpfe und keine Verlockungen mehr kenne. Bestimmt nicht. Ich mein, es ist gerade Vorweihnachtszeit.
Natürlich mache ich große Augen, wenn ich an den Weihnachtsspezialitäten im Supermarkt vorbei laufe. Ich liebe Spekulatius, Dominosteine, Rumkugeln, Lebkuchenherzen, Blätterkrokant und diverse Weihnachtsschokoladen.
Mir läuft das Wasser im Mund zusammen, wenn ich den Duft einer Bäckerei rieche, oder Pommesgeruch herangeweht kommt.
Und ja, es ist schwierig immer nein dazu zu sagen, aber es fällt mir eben leichter, wenn mein Blutzucker stabil ist und ich nicht gerade mit der nächsten „Unterzuckerung“ durch die Regale stromere.
Und immer begleitet mich die Frage: Ist es das Wert? Ein Dominostein, der der erste Stein auf der Straße zurück zur Völlerei sein könnte? Nochmal die Umstellungsbeschwerden? In alte Muster zurück fallen? Was willst Du wirklich?
Es ist Arbeit. Für mich ist es harte Arbeit.

Und wie kam ich überhaupt auf den ganzen Kram mit der Sucht?
Durch einen Artikel, den Sudda aus dem Schwedischen übersetzt hat.
Hier ging es auch um verschiedene Phasen der Zuckersucht und die große Frage, wo man sich selbst einordnen kann.
Verfasst wurde der Artikel ursprünglich von My, einer schwedischen Lady, die 80 kg mit LCHF abnahm und sich ihrer Zuckersucht stellte.

Nun. Ich las den Artikel und stellte mit Entsetzen fest, dass ich Anzeichen von Phase 3 zeigte. Daraufhin heulte ich erst mal ein wenig. Es tut, wie bereits gesagt, weh, sich sich selbst stellen zu müssen.

Aber nun. Es ist, wie es ist. Und ich bin bereit gegen meine Sucht anzukämpfen.
Ich habe gute Werkzeuge zur Hand und ich erkenne immer öfter die Schlingen und Fallen, die mich wieder in die Graserei treiben wollen.
Hoffen wir, dass das so bleibt.

Zwischenwiegen ist Schaize

Ach Leute. Ich war heute zu einem kleinen Zwischenbesuch auf Trulla und nun ist die Laune im Keller.
Ich war Silvestermorgen zum letzten Mal auf der Waage. 104,3 hieß es da noch. Also ganz im Rahmen und passend zum letzten Wiegetag.
Silvester habe ich dann abends Alkohol getrunken, ja, aber essensmäßig bin ich gut in meinem Plan gewesen. Auch Neujahr und gestern wieder direkt richtig eingestiegen.

Jedenfalls sagt Trulla, das olle Biest, dann heute 107,4.

Ich hab so geguckt (und gucke noch immer so):

Unbenannt

Dann hab ich mich selbst beruhigt:

Es ist physikalisch nicht möglich, in 3 Tagen 3 ECHTE Kilo zuzunehmen. Drei Kilo würdest Du schon an der Kleidung merken. Das geht gar nicht. Du kriegst Deine Ringe kaum vom Finger, Du lagerst Wasser ein, es ist Eisprungtime, da lagerst Du immer ein bladibladibla.
Komme mir aber dabei schon vor, als belöge ich mich selbst. Als würde ich vor mir selbst etwas verheimlichen, was schönreden.

Das Blöde ist, meine Laune ist mir echt verhagelt worden – wieder einmal durch eine Zahl auf der Waage. Wieder einmal von jetzt auf gleich.
Und das Oberblöde ist, dass ich in solchen Momenten nur zwei Reaktionen kenne:

a)      Frust – „Wieso mache ich das alles? Darf ich nun nie wieder was trinken? Fange ich jetzt echt wieder von vorne an? Du wirst den UHU nienienienie sehen. Dann kann ich auch gleich alles lassen und wieder fressen, wie ich Bock habe.“ etc.

b)      Panik – Ich traue mich gar nicht mehr zu essen. Das geht dann so weit, dass ich bewusst Hunger schiebe, weil ich denke, dass ich nur abnehmen kann, wenn ich den ganzen Tag hungrig bin. Ich bleib dann weit unter meinem Tagesumsatz. Nicht nur einen Tag, sondern ne ganze Zeit. Und das will ich doch eigentlich gar nicht mehr. Ich will doch mit LCHF essen wenn ich hungrig bin, bis ich nicht mehr hungrig bin. Nicht mehr und nicht weniger.
Die Panik weitet sich dann noch aus. „Oh, nächste Woche Samstag gehst Du mit den Mädels aus. Am besten sagst Du ab. Dann kann nix schief gehen.“

Ich bin so was von angepisst. Aber ich versuche noch herauszufinden, wovon eigentlich.

Ich glaube, von mir selbst. Weil ich mir wieder mal selbst alles versaut habe.

Träume, die für Andere keine sind.

Gestern waren wir in so einem Spaßbad. Mit Rutschen, Sprungturm und Strömungskanal etc.

Ja, ich zeige mich im Badeanzug. Nicht gerne, aber ich liebe das Wasser und Schwimmen viel zu sehr, um es nicht zu tun.
Jedoch gab es wieder einige Momente, in denen ich das Fett an meinem Körper verfluchte, weil es mich einschränkte.
Zum Beispiel liebe ich es vom Sprungturm zu springen. Aber ich zögerte mal wieder.
Warum ich zögerte? Weil ich mir bildlich vorstellte, wie ich die Leiter hochgehen und dann oben auf dem Dreier schön auf dem Präsentierteller stehen würde und alle anderen Badegäste mit einem „Gnihihi guck Dir mal die Fette an“ auf mich zeigen würden.
Dann hab ich mir aber gedacht „Egal, ich kenn Euch doch eh nicht.“ und bin gesprungen.

Mein Traum an dieser Stelle, der für Andere keiner ist: nicht über so nen Scheiß nachdenken zu müssen.

Der zweite Traum, der für Andere keiner ist: mich mal elegant aus dem Becken stützen.
Ihr wisst schon, so am Beckenrand die Hände aufstützen und sich dann hochdrücken. Das kann ich nicht. Jedenfalls nicht, als ich es das letzte Mal versucht habe. Das war wenig elegant und hatte in meiner Vorstellung mehr von Antje dem Walross, als von mir.
Seitdem ich mir damals so einen dabei abgebrochen habe, meide ich es nun, es überhaupt zu versuchen und schwimme immer zur nächsten Leiter.

Dann war da noch die Rutsche mit den Gummireifen…
Gerne hätte ich sie ausprobiert. Aber in meiner selbstzerstörerischen Phantasiewelt wäre ich am Ende der Rutsche mit meinem Hintern im Reifen stecken geblieben und hätte nicht ohne Hilfe aufstehen können. Also habe ich es sein lassen.

Mein Traum, der für Andere gar keiner ist: unbefangen solche Dinge ausprobieren können.

 

Und das bescheuerteste an meinen selbstzerstörerischen Vorstellungen ist, dass sie mich schlimmer darstellen, als ich eigentlich bin.
Ich bin tatsächlich ziemlich agil und auch gelenkig, bin also kein „zäher Blob“ der sich nicht bewegen kann oder so.
Aber die Arschlochstimme in meinem Kopf redet mir das in solchen Situationen ein. Vielleicht auch einfach, weil die Angst vor einer peinlichen Blamage viel zu groß ist.

Nervt!

Deswegen schließe ich den heutigen Post einfach mal mit einem herzlichen: KOTZ!

Beschissenes Gefühl #03

Mit hochrotem Kopf den Verlängerungsgurt im Flieger anfordern, weil, egal wie sehr Du Dich in den Sitz presst, wie weit Du den Bauch einziehst und wie sehr Du auch quetscht und stopfst, der normale Gurt einfach nicht reicht, um Dich anzuschnallen.

 

 

 

 

 

 

(Zum Glück ist das lang her!)

Zum Abschuss freigegeben

Gerade surfte ich mal wieder durch das bunte Blogland, als ich auf Suddas Blog auf einen Post stieß, der wiederum auf Lizzys Blog verweist.

Weil mich das Thema „Beleidigungen“ auch immer wieder beschäftigt und verfolgt, habe ich mir nun mal ein Herz gefasst und veröffentliche einen Post, den ich hier schon länger in den Entwürfen habe, mich aber bisher irgendwie nie zu veröffentlichen traute.
Ich weiß auch nicht wieso.

Hier ist er also:

 

Manchmal fühle ich mich als dicker Mensch wie Freiwild für Diskriminierung, Beleidigung, gut gemeinte Ratschläge und als Komplimente getarnte Ausfälle.

Hier mal eine Top-Liste der Dinge, die ich mir schon (mehrmals) anhören musste:

  • Wieso bist Du eigentlich so dick?
  • Du hast ja ein hübsches Gesicht, wenn Du nur schlanker wärst…
  • Schaut euch mal den Arsch an, was meint ihr wie viele kleinere Ärsche man daraus machen kann?
  • Aha, Du hast also doch einen Hals. (Während meine Mutter mir die Haare hochsteckte, sagte dies ein Bekannter meiner Eltern. Ich war zwölf. Danke. Das hat mir in meiner Entwicklung sehr gut getan.)
  • „Guck Dir die an! Dick und durstig – was sind schon 120 Brötchen?“ (Tipp: Niemals auf Diskussionen mit solchen Flachpfeifen einlassen. Ich hab’s dummerweise getan – aber auf das Niveau  hätte ich mich erst mal runter saufen müssen.)
  • Der Klassiker: „Deutsche Panzer rollen wieder“
  • Pommespanzer
  • Bist Du wieder fett geworden. (Danke, Oma.)
  • Wenn die ins Becken springt, ist kein Wasser mehr drin.
  • Wabbel schwabbel wabbel. (Kreativ. Doch, ja.)
  • Guck Dir die an, die braucht schon zwei Stühle. (Öhh nee?!)
  • Frau Müllermeierschulze ist sowas von dick, da können Sie sich tatsächlich noch hinter verstecken, Frau Yubaba. (Ach, das war ein Kompliment? Sorry, mein Fehler, bei mir kam nur der beleidigende Teil an.)

Warum ist das so?

Gehe ich zu jedem hin, an dem mir etwas auffällt und sage: „Boah, hast Du viele Pickel!“ oder „Du hast voll den krassen Überbiss!“ oder „Ey, Dumbo, klapp die Ohren ein!“ oder „Aaaaalter, wasch Dir mal die Haare, Fettfrisur!“ oder „Deine Zähne sind wie Sterne am Himmel – gelb und total weit auseinander!“?

Nein. Das tue ich nicht. Soll meinetwegen jeder denken was er will. Aber muss man es auch immer aussprechen? Vor allem dann, wenn man weiß, dass man den Anderen damit verletzt?

Was für eine Reaktion erwarten die Leute, wenn sie einem sagen, dass man zu dick ist? Soll man dümmlich lachen und so tun als mache einem das Ganze nichts aus? Soll man ein schuldbewusstes „Ja, ich weiß“ rauspressen und Besserung geloben? Wollen sie einen tatsächlich einfach nur verletzen? Aber warum?

An guten Tagen fällt einem spontan eine lustige Retourkutsche ein, die den anderen verstummen lässt, aber an den meisten Tagen sitzt man nachher zu Hause und denkt  „Hätte ich doch mit XY geantwortet…“

Meine Eltern sagten mir immer, ich solle so vorgehen: Ignorieren, nichts anmerken lassen und einfach drüber hinweg gehen.

So halte ich es bis heute meistens, aber zufriedenstellend ist das nicht. Innerlich ärgert man sich doch und ist getroffen und verletzt.

 

Und dieser kleine, fiese Stich den einem so ein Spruch versetzt, der einen kurz Zusammenzucken lässt, der schmerzt ewig nach und verheilt ganz, ganz schlecht bis nie.

Genug der Firlefanzerei!

Es reicht. Reicht. Reicht.

Ich habe genug geschludert. Genug Weihnachten in Tüten gegessen.

Schreib Dir das auf, Frau Yu! Los, schreibe!
„Die zweite Rumkugel schmeckt genau wie die erste. Also höre Verdammtnochmal nach der ersten auf!“
Gleiches gilt für:

  • Plätzchen
  • Schokolade
  • Gummibärchen
  • Mini-Schokoriegel
  • Blätterkrokant
  • beliebig weiter zu führen

Echt mal, Frau Yu, hör einfach nach dem ersten Teil auf.

 

Ich gehe mir derzeit so selbst auf den Keks, das könnt ihr Euch nicht vorstellen.
Ich mampfe vor mich hin wie ein Scheunendrescher. Kein angebotener Leckerbissen ist sicher vor mir.
Jetzt könnte man sagen: „Na, gut, die Frau Yu macht halt ne Auszeit und ne Abnehmpause.“
Aber am A… äh von wegen! Ich will weiter abnehmen, rege mich auf, wenn die Waage mehr anzeigt. Und obwohl ich weiß, dass Rumkugeln eher wenig mit gesunder Ernährung zu tun haben und direkte Hagelschäden an Bauch und Oberschenkeln hinterlassen, verputze ich sie dennoch.

 

Das nenne ich mal unklug idiotisch. So richtig von Grund auf dümmlich.

 

Und dedswegen habe ich beschlossen es reicht jetzt. Ich bin doch so kein bisschen zufrieden. Was bringt die Fresserei? Nüscht außer schlechter Laune.
Und wenn auch Arbeit und alles andere anstrengend sind, macht die Schokoinfusion es besser? Nein, kein Stück.
Danach kommt zum Stress der Arbeit noch der selbstgemachte „Ich nehm so nie ab“-Stress hinzu. Plus das Versager-Gefühl.

 

So nicht, Frau Yu, so nicht.

Also. Durchstarten.

 

Sapperlot!

Wo ist die Zeit geblieben? Was ein Trubel! Ich hab derzeit wieder mordsmäßig was um die Ohren und hechte von einem Termin zum nächsten. Da ist leider das Schreiben hier zu kurz gekommen.

Dann machen wir jetzt mal einen Schnellabriss für alle Interessierten. 😉

 

1.) Wiegetag
Wie ihr sicherlich bemerkt habt, habe ich kein Wiegeergebnis für die letzte Woche eingestellt. Das heißt aber nicht, dass ich nicht auf der Waage war. Ich hab schon gelünkert, was die so zu sagen hat. 110,7 meinte sie.
Da hab ich mich einerseits geärgert und gejammert, weil ich doch schon bei 108,9 war, andererseits hatte ich direkt nach dem Urlaub 112,0 da stehen. Schockschwerenot! Also stimmt die Tendenz eigentlich wieder. Aber trotzdem blöd.

 

2.) Urlaub
Der ist vorbei und die Arbeit hat mich wieder. Mit all ihren ekligen Tentakeln, die einen erfassen können. (Ich stell mir die Arbeit gerade als Monsterkraken vor. Nur hab ich, um ihn zu bekämpfen, keine Harpune oder so, sondern einen Zahnstocher. Nimm das, Oktopussy! *pieks*)  Viel zu tun, kein Ende in Sicht und keine Ahnung, wie der Berg an Aufgaben bewältigt werden soll.

 

3.) Programm
Es ist sauschwer gerade. Ich weiß nicht wieso. Ich bin weich und nachgiebig und viel zu leicht zu verführen.
Ich ärgere mich selbst über mich. Ich bin mal wieder dabei, mir selbst zu versauen, was ich mir hart erkämpft habe.
Das führt mich auch direkt zum nächsten Punkt, der Stimmung.

 

4.) Stimmung
Ich fühle mich wie der letzte Loser. Aber leider nicht wie in „Yay, I’ve lost another kilo.“ sondern wie in „Dammit, I’ve lost control. Again.“ Aber immerhin weiß ich, dass ich derzeit rumschlampe. Das ist wichtig für mich, denn dann weiß ich auch, dass ich wieder loslegen muss. Trotzdem ist es kacke derzeit. Echt. Während ich mir einserseits fröhlich grinsend Gummibärchen reinschiebe, kommt Arschlochstimmchen (berechtigterweise) hoch und sagt: „Doofbeutel! Versau’s Dir ruhig. Hab doch immer gesagt, dass Du zu blöd zum abnehmen bist.“ Ein leckerer Beigeschmack von Reue mit jedem Bissen. Grandioso!

 

5.) Äußere Umstände
Bin die ganze Woche nicht zu Hause und damit wieder mal auf „Fremdessen“ angewiesen. Dazu kommen mordslange Tage, die schnell mal dafür sorgen, dass ich alles über Bord werfe, was ich mir für den Tag vorgenommen habe.
Aber von 06:00 bis ca. 22:00 aus dem Haus zu sein, erschwert so einiges. Selbst wenn ich richtig plane, kann ich die Planung schlecht umsetzen, weil ich nicht entsprechend einkaufen kann etc. Arschlochstimme schreit übrigens just in diesem Moment, dass das alles faule Ausreden sind. Und ich bin geneigt ihm zu glauben.

 

6.) Sport
Reden wir nicht drüber. Seit Wochen kaum Sport gemacht. Erst wegen Krankheit, dann waren wir im Urlaub und dann ging die private Terminflut los. Die Fitnessstudiomenschen verlangen bestimmt nochmal die Anmeldegebühr, wenn ich da wieder aufschlage, weil sie mich so lange nicht gesehen und wahrscheinlich schon wieder vergessen haben.

 

7.) Motivation

Sieht ungefähr so aus:

 

Und jetzt? Ich habe keine Ahnung, wie ich mich aus diesem Loch wieder raus ziehen kann.
Und ich weiß, dass ich das nur selbst kann.

 

Ach, Frau Yu, manchmal bist Du echt schwierig.

Ego im Speckmantel

Ich weiß nicht, ob jemand dieses Gefühl noch kennt, aber ich habe oft das Gefühl, dass ich gar nicht richtig wahr genommen werde.
Dass ich nicht weiter auffalle, nicht bemerkt werde.

Wie oft habe ich es schon in den verschiedensten Situationen erlebt, dass mich mein Gegenüber keines Blickes, oder wenn dann nur eines flüchtigen Blickes gewürdigt hat?
Beim Amt, beim Einkaufen, im Fitnessstudio, an der Kinokasse… da wird kurz aufgeschaut, weil irgendwoher ja eine –meine– Stimme ertönt und egal wie freundlich ich lächle und wie höflich ich mein Anliegen vortrage, der Blick des Anderen sagt „Ach, ne Fette. Schnell mal abfertigen.“

Besonders und für immer und ewig wird mir eine Situation im Gedächtnis bleiben, die mich damals, als sie sich ereignete schier sprachlos machte. Eine schlanke (es sei an dieser Stelle extra erwähnt) Freundin und ich waren in einer Parfümerie und schnupperten an den Tester-Flakons, auf der Suche nach einem neuen Duft. Miss Parfümerie 3000 kam mit verkniffenem Gesicht und schnellen Schrittes auf mich, die ungeschminkte, augenscheinlich nicht in die Welt der schönen Düften gehörende, aber dennoch potentielle Käuferin zu. Das mit der potentiellen Käuferin erübrigte sich dann aber in dem Moment, in dem sie mir den Flakon mit einem „Tzä“ aus der Hand riss, ein „erlauben Sie mal“ rauspresste und mit dem Flakon zu meiner Freundin eilte, um sich um sie zu kümmern.
Ich wusste gar nicht wie mir geschah und war einfach schwupps raus aus dem Laden. Dass ich in dieser Parfümerie nie wieder etwas gekauft hab, brauche ich eigentlich nicht extra erwähnen, oder?

Vielleicht hat ihr einfach meine Visage nicht gepasst, vielleicht hatte sie einfach einen schlechten Tag, vielleicht bilde ich mir ja auch einiges ein, das will ich nicht ausschließen und auch nicht dass ich mein Gewicht betreffend schon ziemlich empfindlich und übersensibilisiert bin, aber es gibt Theorien, Studien und wat weet ik darüber, dass attraktive Menschen es leichter im Leben haben.
Schönere Babies werden von ihren Müttern öfters angelächelt, schöne Menschen gelten von vorneherein als fleißiger usw.
Nun halte ich mich nicht für hässlich, ganz bestimmt nicht. Aber die Figur ist nun mal ein krasses Schönheitsmerkmal in unserer Welt. Und wenn Du fett bist, bist Du in erster Linie mal eines: fett.
Ich verwette auch meinen Hintern drauf- und das ist ein recht großer Wetteinsatz- dass wenn man über mich redet, niemand sagt : „Das ist die nette, blonde.“ sondern „Das ist die DICKE, blonde, Du weißt schon.“ oder wahlweise „Das ist die Blonde da, Du weißt schon…“ *ausschweifende Bewegung mit den Armen mach um meine Körperfülle zu verbildlichen*

Ich will das nicht mehr. Ich will nicht nur „die Dicke“ sein. Ich will erkannt werden, wahrgenommen. Als das was ich bin und kann, als das „Komplettpaket Frau Yu“ und ich will nicht einfach auf meine Körperform reduziert werden.

Word!

Beschissenes Gefühl #02

Die Treppe vollbepackt hochsteigen und oben prustend und schniefend ankommen.
Dabei am besten noch den Nachbarn treffen, der irritiert guckt. Vielleicht auch ängstlich, weil er denkt, er müsste jeden Moment Erste-Hilfe-Maßnahmen einleiten.