Wiegetag KW 30/2016 und Gedankenmatsche

Heute morgen hätte ich mir gewünscht, Trulla wäre weiterhin im Urlaub, so wie letzte Woche.
89,0  zeigte sie an. Ganz schön unverschämt.
Nun denken bestimmt einige: „Haha! Da hat sich die Yu aber schön was drauf gefressen in ihrer waagenfreien Woche!“
Hm. Nö. Gestern zeigte Trulla nämlich noch 87,5 an.
Ich hätte also gestern ca. 10.500 Kalorien über meinem Bedarf essen müssen, damit das eine echte Zunahme wäre.
Ich kann euch versichern: hab ich nicht. 😀

Jedoch, auch wenn ich weiß, dass das nur Wasser ist und sich bald wieder verflüchtigt, es nervt mich an gerade. Ja.
Nicht, dass der Tag für mich jetzt gelaufen wäre, aber ein bisschen zieht so ein Schwupp nach oben die Laune dann doch runter.

Das Schöne ist aber, seit der Lektüre von „Fettlogik überwinden“ habe ich bei solchen Ausreißern nun die (relative) Gelassenheit, zu Wissen, dass das nur Wasser sein kann.
Früher hab ich in solchen Momenten nämlich gerne den „JETZT IST AUCH ALLES SCHEISSEGAL! DU MACHST UND TUST UND NIMMST IMMER NUR ZU!!“-Film gefahren und mich all meinen Gelüsten hingegeben.
Das hat dann dafür gesorgt, dass die Wasserzunahme sich irgendwann in eine echte Zunahme gewandelt hat. Voll logisch, so zu handeln, ey.

Aber apropos Gelüste. Ich gebe offen zu, gerade fordert mich LCHF ganz schön heraus.
Also eigentlich nicht LCHF, sondern alles andere. Es ist momentan schwer, in meinem Plan zu bleiben. Das ist es, was mich herausfordert und mir einiges abverlangt.
Ja, LCHF bedeutet für mich streckenweise immer noch Verzicht. Die meiste Zeit nicht. Aber ab und zu eben doch.
Und ich arbeite immer noch daran, die Gefahren zu erkennen und zu analysieren, warum ich auf einmal Gelüste entwickle und dieses nervtötende Gefühl, ungerechterweise auf alles verzichten zu müssen (mimimiiiii) sich breit macht.

Oft ist es der Grund echt einfach zu finden: Zyklusnerverei.
Rund um den Eisprung bin ich nicht nur krampfig unterwegs, sondern habe auch Heißhunger. Auf ungefähr ALLES.
Da ist es nicht immer leicht, den Verlockungen, die hier im Hause rum liegen, zu widerstehen. Nutella, Schokozeugs, Eis und sowas. Das ist hier eigentlich immer vorhanden, da Herr Yu ja nur Teilzeit-LCHF isst.
Wenn mich das dann so anmacht, dass es gefährlich wird, verputzt Herr Yu das Zeug ganz schnell, oder nimmt es mit ins Büro oder so. Hauptsache raus aus meinem Sichtfeld.

Manchmal sind die Gründe aber diffuser und schwieriger zu fassen.
Ich bin und bleibe emotionaler Esser.
Und es gibt viele Emotionen. Also gibt es für mich auch viele Gründe, zu essen.
Frust zum Beispiel. Bin ich wegen irgendetwas frustriert und sei es nur unterschwellig, dann schlägt sich das direkt in meinem Essverhalten nieder.
Als wollte ich das Frustgefühl in mir durch leckeres Essen wieder ausgleichen, anstatt schlauerweise den Ursprung des Frusts aktiv zu bekämpfen.

Und dann wäre da noch das Situationsessen.
Kennt ihr das auch? Essen, weil die Situation gerade passt?
– Es ist gerade so gemütlich vorm Fernseher, da muss man doch was knabbern.
– Klein Yu ist endlich eingeschlafen und jetzt hab ich endlich mal Zeit, mich zu verwöhnen.
– Wir spielen ein Gesellschaftsspiel, da muss doch was zum Naschen dabei sein.
– Es ist Sommer, da möchte ich ein Eis essen.
– Es ist Winter, da möchte ich einen heißen Kakao trinken und Kekse reintunken.
– Es ist Geburtstag, da gehört doch ein Kuchen dazu.
– Es ist Urlaub, da muss man das nicht so genau nehmen.
– …

Und dann die Langeweile.
„Langeweile im Mund“, nannte das eine Freundin von mir mal.
Fand ich sehr passend.
Im StudiVZ gab es früher auch mal die Gruppe „Mir ist langweilig. Was könnte ich denn mal essen?“ Ich bin also nicht alleine mit diesem Langeweilerumgefresse.
Aber besser macht es das auch nicht.

Nun ja. Jedenfalls habe ich momentan mit einer netten Mischung aus all diesen Gründen zu kämpfen und deswegen ist es gerade wieder einmal etwas schwieriger als sonst.
Aber Aufgeben ist keine Option. Wissta, ne?

Und wisst ihr was mir gestern abend im Bett durch den Kopf geschossen ist?
Ziemlich genau vor einem Jahr, habe ich das LCHF-Handtuch schon einmal geschmissen. Bzw. hab ich es damals für einige Zeit ganz hinten in den Schrank gelegt.
Ihr erinnert euch, dass ein Becher Eis mich letztes Jahr im Sommer ins Straucheln brachte? Und dass ich drei Monate wüst rumgefressen habe?
Ja. Das war ziemlich genau vor einem Jahr.
Und jetzt habe ich mich gefragt, ob ich nicht gerade mal wieder unbewusst dabei bin, mich selbst zu sabotieren?!
Das kann doch kein Zufall sein, dass ich genau jetzt wieder so essdoof werde, oder?!

Jedenfalls habe ich dann beschlossen: keine Chance. DAS passiert mir jetzt nicht wieder. NEIN! NEIN! NEIN!

So. Jetzt seid ihr wieder im Bilde, was hier so los ist.
Mal sehen, wie ich das jetzt alles in den Griff bekomme. *seufz*

 

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4 Gedanken zu “Wiegetag KW 30/2016 und Gedankenmatsche

  1. Same here! 🙋 Wenn du herausgefunden hast, wie du den Schaden behebst, sag Bescheid.
    Bei mir spielt gerade aufgrund der Überschneidung von Semester- und Sommerferien die Langeweile eine große Rolle. Ich hab weder Uni, noch Schüler, um die ich mich kümmern muss. Dafür aber vieeeeeel Zeit zum (sinnlosen Fr)Essen 🙈

  2. Dein Beitrag kam heute irgendwie zur richtigen Zeit. Bei mir ist es die Migräne, die mich gerne aus den Socken haut. Dann ist alles woran ich denken kann Essen… Lasagne, Pommes, Pizza… alles was so extrem ist. Meistens bin ich dann auch schwach geworden und habe alles über den Haufen geworfen.
    Dass LCHF in einem bestimmten Ausmaß immernoch Verzicht bedeutet merke ich übrigens auch des Öfteren. Weniger wegen mir selbst, als wegen der Umwelt. Es fällt eben gerade dann sehr auf, wenn der Vergleich zwischen mir und anderen sichtbar wird – wenn alle Kuchen essen und ich nicht, oder alle Kartoffeln essen und ich nicht. Und dann wird man auch drauf angesprochen, das fällt dann wirklich auf.
    Du kannst stolz sein, dass du schon einen solchen Abstand hast zu deinem Gelustverhalten und jetzt. Und vor allem Applaus für deine Abnahme!
    Alles Liebe

  3. Mich nerven die Wassereinlagerungen momentan auch total. Aber ich glaube, bei dem Wetter ist das irgendwie normal. Das mit den Gelüsten und Essen aus Langeweile kenne ich so gut, „früher“ waren das meine Hauptprobleme und ich war eine Süßigkeitenfresserin deluxe. Ich staune jeden Tag, dass meine Gelüste nach Süßem völlig verschwunden sind. Das kann bei mir am LowCarb liegen, vielleicht auch im Zusammenhang mit den Hormonen. Ich habe keinen bemerkbaren Zyklus (ich nehme eine Pille, bei der ich keine Tage habe *hurra*). Gegen emotionales Essen und Essen aus Langeweile habe ich mir selbst aber auch Strategiekarten gebastelt mit Taktiken, den Apppetit runterzufahren. Anfangs habe ich die noch gebraucht, mittlerweile auch nicht mehr.

  4. Das ging mir letzte Woche genau so. Mir fiel es sehr schwer, ruhig zu bleiben, obwohl ich wusste, dass es nur Wasser war. Glücklicherweise haben sich die anderthalb Kilo inzwischen wieder in Luft aufgelöst … sie sind sozusagen verdunstet 😉

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