Stoffwechselneid

Robin hat mich in den Kommentaren zu meiner Buchempfehlung gefragt, ob ich aus der Lektüre des Buches „Fettlogik überwinden“ etwas für meinen Abnehmweg ändere oder etwas neues für mich dort heraus ziehen konnte.

Tatsächlich bin ich nach dem Lesen des Buches mal in mich gegangen und habe überlegt, was ich selbst an „Fettlogik“ mit mir herum schleppe.

Und was mir gleich als erstes einfiel: der Stoffwechselneid.
Immer und immer wieder habe ich gejammert: „Buwäääh, der Herr Yu kann essen, was er will. Der passt gar nicht auf und isst, worauf er Lust hat. Und iiiihiiiich? Immer muss ich aufpassen. Das ist so unfair!“

Daraufhin habe ich mich mal mit dem Thema beschäftigt.
Ist Herr Yu wirklich ein Stoffwechselmonster, das verbrennt, was auch immer es oben hinein wirft?
Welchen Kalorienbedarf hat Herr Yu überhaupt? Und wieviel davon verbraucht er tatsächlich?

Also habe ich uns mal verglichen:

Vergleich

Zur Erläuterung des Punktes „Tägliche Bewegung“:
Ich bin mal von meinem normalen Job-Alltag ausgegangen und nicht von der jetzigen Elternzeit.
Ich habe einen Bürojob und sitze dort eigentlich nur. Lediglich zur Toilette, zur Kaffeemaschine oder in ein anderes Büro, um etwas mit Kollegen zu klären, muss ich mal laufen. Also wirklich nichts nennenswertes. Deswegen habe ich bei mir einen „niedrigen Bewegungsgrad“ gewählt.

Herr Yu hat auch einen Bürojob, allerdings muss er viel zu verschiedenen Kollegen laufen, Rechner schleppen, Treppen steigen. Die Firma, für die er arbeitet, verfügt über mehrere Produktionshallen, die weiter auseinander liegen. Dahin läuft er, oder fährt mit dem Rad. Er arbeitet sich aber körperlich nicht kaputt. Deswegen habe ich hier einen „mittleren Bewegunsgrad“ gewählt.

Wir sehen also, ich habe einen Gesamtumsatz von etwa 2.100 Kalorien, Herr Yu einen von knapp 2.700.
Jetzt könnte man denken „Hmm, sind ja eigentlich noch relativ dicht beieinander die beiden.“
Dann schauen wir mal, wie es aussieht, wenn Herr Yu und ich an einem Tag exakt dasselbe essen würden.

Das könnte so aussehen:

Frühstück:

– Ein Käsebrot
– Eine Tasse Kaffee mit 2 TL Zucker (so trinkt Herr Yu den Kaffee)
= 295 kcal

Mittagessen:

– Cevapcici mit Djuvec-Reis in der Kantine
– 2 Tassen Kaffee mit je 2 TL Zucker
= 729 kcal

Abendessen:

– LCHF-Rezept: Spinat-Käse-Taler
= 1.060 kcal

 

Das macht insgesamt 2.084 Kalorien für den Tag.

Ich wäre also schon an meinem Tagesbedarf, Herr Yu hätte noch 600 Kalorien zu verballern.

Wie oft habe ich mich schon geärgert, dass der Gute sich abends noch seine Lieblingssüßigkeit (m&m’s) reinzieht und einfach nicht dicker wird?
Schauen wir doch mal. Herr Yu fegt sich also nach dem Abendessen dann und wann schon mal eine halbe Tüte Erdnussklicker rein. Diese Portion hat einen Kalorienwert von ungefähr 487 Kalorien.

Damit ist Herr Yu dann bei 2.571 Kalorien für den Tag.
Er ist also noch entspannt in seinem Tagespensum, während ich schon 500 Kalorien drüber läge.

Wie oft habe ich schon gesagt: „Mensch, ich esse doch gar nicht mehr als Du! Wieso nehme ich dann zu und Du nicht?! Das ist unfair!“
Jetzt weiß ich, hier ist gar nix unfair. Das ist schlichte Mathematik. Herr Yu isst in seinem Bedarf und ich liege drüber.
Kein Stoffwechselmythos, keine Verbrennungsanlage in Herrn Yu, die da ihr Unwesen treibt.
Er hat einfach einen höheren Bedarf als ich.

 

Und dazu kommt noch was: Herr Yu ist auch mal ganz abgesehen vom Beruf um einiges aktiver als ich.
Er spielt einmal die Woche Fußball. Er ist es, der immer den Müll runterbringt und den Wasserkasten hochschleppt.(Das sind Kleinigkeiten, die sich läppern!)
Er fährt wenn möglich jede Strecke mit dem Rad. Er ist auch an sich ein „unruhigerer“ Geselle als ich.
Er ist irgendwie immer in Bewegung, während ich bewegungsmuffliger bin.
Und das kommt auf seinen Kalorienbedarf noch drauf! Ich habe da oben ja nur den „ganz normalen“ Bedarf, ohne Sport usw. berechnet.

 

Von dieser Fettlogik muss ich mich also schon mal dringend verabschieden.

Ich werde mal weiter überlegen und gucken, ob da nicht noch mehr Fettdenken in mir schlummert.
Falls ich noch mehr finde, werdet ihr es hier lesen können.

 

Robin, ich hoffe, ich bin hiermit schon mal einigermaßen auf Deine Frage eingegangen.

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8 Gedanken zu “Stoffwechselneid

  1. Liebe Frau Yu
    Ich lese schon eine Weile bei dir, und der Tipp mit dem Buch ist echt Klasse, gekauft und fast zur Hälfte gelesen, danke dafür.

  2. Oje, genau die gleiche Erfahrung hab ich auch machen müssen. Ist richtig bitter. Ich wohne mit zwei Kerlen in einer WG und war auch immer total frustriert darüber, dass die alles fressen können, während ich total aufpassen muss oder noch mehr zunehme.

    Ich wusste zwar, dass die einen höheren Grundumsatz haben (ich bin viel kleiner als sie und zumindest der eine bewegt sich viel mehr als ich). Aber ich habe über ein Jahr mit ihnen zusammen wohnen müssen, bis ich merkte, dass sie mitnichten soooo viel mehr als ich essen!

    Klar gab es diese Tage, an denen wir uns gemeinsam vor dem Fernseher mit Pizza und Eis vollgestopft haben. Aber anders als ich haben sie auch viele Tage, an denen sie aus welchem Grund auch immer fast gar nichts essen, sei es wegen Stress, Zeitmangel oder einfach mangelndem Appetit! Da werden dann über den Tag verteilt nur ein, zwei Brote gegessen und vielleicht noch ein Apfel. Ich dagegen kenne sowas gar nicht: Ich bin von zuhause gewöhnt, wirklich jeden Tag warm zu essen und dementsprechend koche ich dann auch täglich. Während sie also ihre Fressflashtage spielend wieder ausgleichen, ohne sich überhaupt einschränken zu müssen, ist das bei mir nie passiert. Und dann ist es auch kein Wunder, dass die jeden Tag Cola und abends ein Bier trinken können, während ich nur ungesüßten Tee zu mir nehme und mich ärgere, weil ich bei dem Wetter auch gerne mal einfach so ein Bier oder wenigstens ne süße Limo nach Feierabend trinken würde.

    Ja, fair ist das nicht, aber wenn man weiß, woran es liegt, wirkt es wenigstens nicht mehr so willkürlich. Die Erkenntnis, dass ich tatsächlich einfach zu viel esse und mitnichten schon zunehme, wenn ich ein Stück Sahnetorte auch nur ansehe, war bitter, aber so habe ich wenigstens die Chance, was zu ändern. Da hat mir das Buch wirklich SEHR geholfen :3

    • Danke für den ausführlichen Kommentar.
      Ich sehe es genau wie Du, das Gefühl der unfairen Willkür ist weg, jetzt da ich mal gegen gerechnet habe.

      Das macht es zwar nicht leichter abzunehmen und zu verzichten, aber es hilft meinem Kopf ungemein.
      Es ist jetzt logisch geworden. Da kann ich besser mit umgehen, als mit diffusen „Bäh, das ist so unfair“-Gefühlen.

  3. Pingback: 12 Tage Fettlogik. | Fettlogik überwinden.

  4. Pingback: Gastbeitrag: Low Carb High Fatlogic – Fettlogik überwinden.

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