Hypochondrus Saurus Rex

Ich war ja schon immer etwas hypochondrisch veranlagt.
Kopfschmerzen werden bei mir schon mal schnell zu einem Hirntumor hochgedacht, das Ziehen im Rücken ist bestimmt eine schwere Nierenbeckenentzündung und das Kribbeln im kleinen Zeh eine bis dato unbekannte Krankheit, die nach mir benannt werden wird und wegen welcher mir das komplette Bein amputiert werden muss.

Ich kann nichts dafür. Symptome, die Andere als Zipperlein abtun, starten in meinem Kopf einen Katastrophenfilm, dessen Ausgang ungewiss ist. Meistens endet er aber mit meinem Dahinscheiden oder zumindest mit einem langen Krankenhausaufenthalt, der ein Ärzteteam wie das aus der Serie Dr. House erforderlich macht.

Wenn die Kopfschmerzen dann verschwinden, mach ich mich über mich selbst lustig und frage mich, wieso ich mich wieder mal so reingesteigert habe.

Nun, ihr könnt euch sicherlich vorstellen, dass für jemanden wie mich eine Schwangerschaft 40 Wochen absolute Paranoia bedeutete.

Angefangen bei der ersten Untersuchung beim Gynäkologen, bei der die Schwangerschaft bestätigt wurde.
„Herzlichen Glückwunsch, Sie sind schwanger. Beachten Sie bitte dies und das bei der Ernährung, ach ja und nehmen sie eigentlich schon Folsäure?“
„Ähm nee.“
„Hm, ja sollten Sie aber. Ich empfehle immer schon damit anzufangen, wenn der Kinderwunsch besteht. Also noch vor der Schwangerschaft. Folsäure ist wichtig für die Entwicklung des Nervensystems und verhindert einen so genannten ‚offenen Rücken‘.“

Und schon saß ich zu Hause und machte mir Gedanken, weil ich meinem Baby fünf Wochen das gute Zeug vorenthalten hatte bzw. fragte mich, ob das wohl schädlich gewesen sein konnte.

Und so ging das dann weiter. Jedem Ultraschall wurde entgegen gefiebert, weil es so toll ist, das kleine Menschlein live zu sehen und immer begleitete mich der Hintergedanke „Hoffentlich ist alles in Ordnung!!“

Dann waren irgendwann die ersten Tritte zu spüren. Yay! Aber wehe, wenn dann mal ein paar Stunden Ruhe im Yubababauch war.
„Baby, los beweg Dich!“ *in den Bauch pieks*
Oder aber das Baby bewegte sich unglaublich viel. „Wieso ist die Kleine so unruhig? Ist das normal!?“

Ja. Ist es. Die einzige, die nicht ganz normal ist, bin ich.

Gegen Ende der Schwangerschaft dachte ich nur „So langsam kann die Kleine mal ruhig auf die Welt kommen, dann muss ich mir nicht mehr so irre Gedanken machen.“
HAHAHA!!!
Da hab ich die Rechnung aber ohne mich und mein Katastrophengehirn gemacht.

Seitdem Yubaby auf der Welt ist, haben meine Ängste eine völlig neue Dimension angenommen.

Das fing in der ersten Nacht im Krankenhaus an. Yubaby schlief und ich saß mit mangagroßen Augen da, beobachtete jede Zuckung und horchte genau auf jeden Atemzug.
„Ist das normal?!“
Ok, ich denke, das kennen die meisten frisch gebackenen Mütter. Alles ist neu und auf einmal hat man die Verantwortung für ein hilfloses, kleines Wesen, das auch noch so wunderhübsch (jedenfalls in den eigenen Augen) und so zerbrechlich aussieht.

So und dann wird alles hinterfragt
„Sie niest so viel, ist das normal?“
„Sie spuckt manchmal, ist das normal?“
„Was wenn das Bäuerchen partout nicht kommt?“
„Ist diese Stuhlfarbe normal?!“
„Oh mein Gott, sie hat einen Schnupfen und schon drei mal gehustet in 24 Stunden.“
„Sag mal, fühlt Yubaby sich warm an? Sie hat doch wohl kein Fieber?!“

Keine Angst, ich behandle Yubaby nicht wie ein rohes Ei, schotte sie nicht ab, drehe nicht durch, werde auch nicht zur hysterischen Helikoptermama, die das Kind in eine Wolke aus Sagrotan hüllt und alle Menschen im näheren Umfeld zum Tragen eines Mundschutzes verdonnert. Nein, wirklich nicht.
Sagrotan gibt es in unserem Haushalt gar nicht (würde sich auch gar nicht mit den Wollmäusen vertragen, die hier die Herrschaft an sich gerissen haben) und auch keinen Mundschutzvorrat.

Ich bin jetzt auch schon viel gelassener als in den ersten Tagen, aber es braucht halt seine Zeit, bis man ein Gefühl dafür bekommt, was bei einem Säugling normal ist und was nicht.

Und ich verstehe nun endlich Mama Yu, die mir immer prophezeit hat „Warte mal ab, wenn Du eigene Kinder hast. Dann wirst Du verstehen, dass man sich immer Sorgen um sie macht. Egal wie alt sie sind.“

Sie sollte – wieder einmal – recht behalten. 😉

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2 Gedanken zu “Hypochondrus Saurus Rex

  1. Yeeey. Ich bin also nicht alleine 😀
    Das mit der Folsäure kommt mir so bekannt vor. Allerdings war ich bei der Erstuntersuchung schon in der 7. Woche (umzugsbedingt) und am Tag vorher hatte ich auch noch eine leichte Schmierblutung. Was vermutlich dem Stress zuzuschreiben war. Meine Panik kann sich Frau Yu bestimmt denken xD Aber das BrotBärchen war auch so gar nicht geplant. Also jetzt noch nicht. Erst so in zwei, drei Jahren… Aber egal. Als Vorzeigemama nimmt man wohl schon allein bei dem Gedanken an Nachwuchs Folsäure. Unabhängig davon, ob da noch zwei Monate oder fünf Jahre hin sind…

    Bei mir steht jetzt dann nächste Woche die Feindiagnose an. Der Liebste freut sich aufs Baby-TV und ich? Hab so meine Ängste. Zum Glück halten sie sich aber in Grenzen…

    Liebe Grüße
    Brummelchen

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