Mama sein – die wirklich wahre Realität ;-)

Fünfeinhalb Wochen wohnt Little Miss Yu nun bei uns.
Dass sie das schönste, tollste und wundervollste Baby der Welt ist, ist klar, oder? 😉
Aber, oh Junge, sie hat hier alles auf den Kopf gestellt.

Alle Leute sagten mir während der Schwangerschaft „So ein Kind verändert alles!“ und ich dachte mir dann immer nur „Ach was?“
Ich dachte, ich wüsste worauf ich mich da „eingelassen“ habe.

Und dann kam Polly, äh Little Miss Yu.

Wahnvorstellung 1: Babys essen, pupen die Windel voll und schlafen die meiste Zeit.

Was stimmt ist, dass unser Baby isst und pupt. Ja, es schläft auch, aber nicht da, wo man es gerne hätte.
Blauäugig bin ich davon ausgegangen, dass mein sattes, frisch gewindeltes und angemessen bespaßtes Kind selig in seinem Bettchen schlafen und ich verzückt davor stehen und es anhimmeln würde. Doch Pustekuchen!
Auch in Beistellbetten, Kinderbetten, Laufställen, Kinderwagen, auf Sofas, oder neben Mama im Bett wird nicht geschlafen.
Wo das Kind überhaupt schläft, fragt ihr Euch? Auf mir. Oder wahlweise auf Herrn Yu. Oder auf der Oma, der Tante, dem Opa, dem Onkel oder sonst wem. Dann auch gerne 4 Stunden am Stück. Aber eben nur auf der Brust irgendwelcher Menschen. Tags wie nachts. Seit 5 Wochen.
Ausgeklügelte Kissen-Arrangements helfen mir dabei, nachts doch irgendwie an Schlaf zu kommen und das Kind so abzusichern, dass es nirgends rein oder runter rutschen kann.

Wahnvorstellung 2:  Man bekommt den Haushalt locker nebenher gemacht.

Mööp! Der Kandidat ist raus.
Da Little Miss Yu auch tagsüber gerne ihre Zeit auf mir verbringt, bin ich anfangs zu gar nichts mehr gekommen. Habe quasi auf dem Sofa gewohnt und mich gefragt, ob das nun mein neues Leben sein sollte. Dank Tragetuch und Tragehilfe hab ich nun doch mal die Hände frei und kann ein bisschen was tun (wie zum Beispiel diesen Artikel zu verfassen). Richtig gekocht habe ich vor etwas sechs Wochen zum letzten mal. Es gibt nun viel schnelles und Essen, dessen Zubereitung darin besteht, möglichst alle Zutaten in einen Topf zu schmeißen und vor sich hin köcheln zu lassen. Oder Herr Yu kocht was. Aber da er zurzeit auch sehr lange Tage hat und spät nach Hause kommt, ist das auch nicht immer möglich.

Wahnvorstellung 3: Babykacke stinkt nicht.

Haben mir viele erzählt. Babystuhl würde eher süßlich riechen und nicht besonders unangenehm. Entweder, diese Leute haben einen anderen Geruchssinn als ich, oder unser Baby ist auch in dieser Hinsicht besonders. Was sie da manchmal in die Windeln drückt, stinkt und zwar richtig. 😀

Wahnvorstellung 4: Stillen ist wundervoll.

Ja, das ist es wirklich. Die Nähe zum Kind, das Gefühl allein und ganz natürlich das Baby versorgen zu können, das Praktische der Muttermilch – die ist immer dabei, immer richtig gemischt und immer richtig temperiert. Schwupps, Brust raus, Kind glücklich.
Nicht mehr ganz so wundervoll wird es, wenn das Kind nach zwei Wochen  plötzlich 4-5 Stunden am Stück an der Brust nuckelt und extrem quengelig wird, wenn man es von der Brust nimmt.
„Die Brust ist kein Schnullerersatz!“ mahnte meine Hebamme und riet mir, nach spätestens einer Stunde der Stillerei ein Ende zu machen. Doch was dann? Das arme kleine Menschlein weinen lassen? So herzergreifend, dass man mit schluchzen muss? Das kam für mich nicht in Frage und das  Dauernuckeln ging weiter.
Dann stellten wir fest, dass die Kleine abnimmt. Der Verdacht kam auf, dass ich zu wenig Milch produzierte. Also Milchpumpe besorgt und im 3-Stunden-Takt abgepumpt, um die Produktion wieder anzuregen und Babynahrung zugefüttert, damit Baby wieder zunimmt.
Das erste mal, als ich mein Baby mit der Flasche „im Gesicht“ sah, hab ich losweinen müssen. Es kam mir so unnatürlich vor. Und ich mir selbst, als hätte ich versagt.

Also waren Stilltee, Brustmassagen, Malzbier, Bockshornkleesamenkapseln (merkt Euch das Wort für die nächste Partie Galgenmännchen) und das Gefühl zur Milchkuh degradiert worden zu sein, die ihr tristes Dasein an der Melkmaschine fristet, nun meine treuen Begleiter bei dem Versuch die Milch wieder fließen zu lassen. Besonders toll ist es, wenn sie nach zehn Tagen mit diesen Maßnahmen immer noch in Tröpfchen kommt und man fünf bis sechs mal Abpumpen muss, um eine Mahlzeit für das Kind zusammen zu bekommen.
Der Frust war groß und sorgte wahrscheinlich auch mit dafür, dass die Milchquelle  bald komplett versiegte. Das Abstillen ging dann ziemlich schnell.
Und das wichtigste: Baby Yu nahm wieder zu und wirkte plötzlich so zufrieden nach ihren Mahlzeiten.

Wahnvorstellung 5: Man strahlt vor lauter Mutterglück.

Glaubt mir, ich bin riesig glücklich mit unserem kleinen Superbaby, aber mir scheint nicht 24h die Sonne aus dem Allerwertesten.
Der Schlafmangel, das unglaubliche Nähebedürfnis unseres Schatzes und das damit verbundene „Belagertwerden“, das lange Alleinsein tagsüber und auch die Sorgen, die man sich um sein Kind so macht, das alles hinterlässt Spuren. Nicht nur äußerlich in Form dunkler Augenringe, fettiger Haare (weil man es wieder mal nicht unter die Dusche geschafft hat) und vollgespuckter Kleidung, sondern auch innerlich. Man fragt sich doch ab und an, ob man überhaupt zur Mama taugt, ob man alles richtig macht und man verliert auch mal die Geduld und wünscht sich eine Stunde nur für sich allein, um dann gleich wieder ein schlechtes Gewissen zu haben, weil man doch eigentlich froh sein soll, dass man ein so tolles Baby hat.

Doch die positiven Momente überwiegen natürlich und dann scheint einem tatsächlich die Sonne aus dem Allerwertesten. 😉 

Wahnvorstellung 6: Ein Blick aus Babys glücklichen Augen und alles ist vergessen.

Stimmt. Uneingeschränkt. So klischeemäßig das auch klingt. 😀

Das erst mal von mir. Einhändiges Tippen ist schwer und mein 24h-Baby braucht mich. 🙂

Bis dahin, ihr Lieben!

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13 Gedanken zu “Mama sein – die wirklich wahre Realität ;-)

  1. liebe frau yu,
    als bisher stille leserin habe ich immer mal wieder bei dir reingeschaut udn freue mich von dir zu lesen!
    und hatte ein deja-vu.
    ich hatte dieselbe scheisse mit dem stillen am laufen, verzeih mir den ausdruck.
    aber das kam gerade wieder hoch, dabei sind meine drei jungs nun schon volljährig.
    ich kann deine erschöpfung und verzweiflung soooo gut nachfühlen!!
    man ist unterm strich einfach nur fertig, und wenn dann noch besuch „auf einen sprung vorbei kommt“,
    würde man am liebsten ins bett gehen und heulen.
    ich habe keine patentlösung.
    Finde kleine fluchten, spann´ jeden ein, den du kriegen kannst!!
    mach dir immer wieder klar, dass du ein komplettes kind geboren hast, das ist ein wunder!
    und ja, diese zeit geht vorbei!! und zwar schneller, als man denkt ( keine wahnvorstellung,grins)

    alles liebe undviel gelassenheit wünscht dir silke

    • Danke für deine lieben Worte. 🙂
      Die Verzweiflung ist schon viel weniger geworden, seitdem ich abgestillt habe.
      Das war wirklich schlimm mit dem ewigen Abgepumpe. Ich fühlte mich richtig ans Haus gefesselt dadurch und dass die Milch einfach nicht mehr werden wollte war auch nicht toll.

      Nun mit den Fläschchen sind Spaziergänge und Einkäufe möglich. Das ist schon viel toller. 🙂

  2. Hallo Frau Yu,

    Ich habe am 17.12. meinen kleinen Sohnemann auf die Welt gebracht und mir geht es genauso!!!!! Im Krankenhaus haben die meinem Kleinen Zusatznahrung in der Flasche gegeben und dadurch eine Saugverwirrung verursacht. Zu Hause kam dem Kleinen die Milch dann etwas zu langsam und zu wenig aus der Brust. Er weinte und ich noch mehr (extremer Babyblues). Man zweifelt an sich als Frau und gute Mutter. Man wollte doch stillen. Das hat msn sich doch anders vorgestelkt. Naja, Milchpumpe musste nun her. Ich fungierte immer noch als Milchkuh und melke mich drei mal am Tag, um insgesamt auf 200ml am Tag zu kommen. Was tut man nicht alles für sein Kind …
    Mein Kleiner schläft entweder neben mir oder im Beistellbett. Dafür hat er aber teilweise alle zwei Stunden Hunger. Dadurch ist Schlafen fast unmöglich. Außerdem hat er einen beneidenswerten Stoffwechsel. Er ist nur am Kacken und ich am Windeln wechseln. Ich frag mich, wie man von so viel Flüssigkeit nur so viel kacken kann. Und durch den Fencheltee, den er gegen Blähungen bekommt, stinkt das Ganze fürchterlich. Und die vielen Pupser richen nicht besser.
    Tja, Duschen und Körperpflege. .. Letztens hat er geschlafen und ich bin wie eine Verrückte schnell unter die Dusche, um auch Haare zu waschen. Ich hab mich beeilt wie eine Irre, um dann nass und mit einem Handtuch umwickelt zu gucken, ob alles okay ist.
    Ich hab auch gewusst, dass Kinder Arbeit machen, hab mir aber die Zeit mit einem Säugling etwas entspannter vorgestellt. Ich dachte, die schlafen mehr. Und so wurden z.B. meine Pflanzen zu Hause erst nach drei Wochen gegossen. .. Andere Haushaltspflichten kommen momentan auch nicht in Frage. Aber man ist ja noch im Wochenbett…

    Ich wünsche mit Little Miss Yu noch viel Freude (immer etwas mehr, aks Arbeit und Frust).
    Liebe Grüße
    Kati

    • Ich hab mit 6 mal Pumpen ca. 140ml zusammen bekommen. Das war echt mühselig. :-\

      Ach, der Haushalt… Wir gehen zwar nicht im Chaos unter, aber sauber ist auch anders.
      Aber das ist mir momentan echt schnuppe. 😀

      Ich wünsche Dir mit Deinem Sohnemann auch noch ganz viel Freude. 🙂 🙂

  3. So geht es wohl allen Mamas.
    Haargenau so ging es meiner Schwester 😀

    Allerdings hat meine Nichte von Anfang an immer gut geschlafen.

    Und warte nur ab… Irgendwann kann eure Maus laufen und dann wünscht du dir die jetzige Zeit zurück 😀

    Schön, mal wieder was von dir zu lesen. Hab mich total gefreut 🙂

    • Das sagen alle, dass ich mir diese Zeit irgendwann zurück wünschen werde.
      Die Kuschelei bestimmt, den Schlafentzug und die fehlende Zeit für die Körperpflege wohl eher nicht. 😀

      Ich hoffe, dass ich mal wieder öfter zum schreiben (und lesen!) komme. 🙂

  4. Ich genieß dann mal weiter meine Kugelzeit… Oi xD
    Dank der Schwägerin, welche im September entbunden hat, bekomm ich auch so einiges mit. Allerdings liefert diese ihren Sohnemann 2-3x die Woche einfach bei den Großeltern ab. Milchpumpe sei dank – kein Problem. Ich bin zwar später sicher auch froh um Unterstützung, aber… Ob ich das SO machen will, weiß ich auch nicht.

    • Trotz allem ist es ja wirklich schön mit der Kleinen. Sie ist ein wirklich liebes und fröhliches Baby, nur das Hinlegen klappt nicht. 😀
      Das Mantra lautet „Das geht irgendwann vorbei!“ 😉

      Nee, das Kind so oft abgeben, das könnte ich gar nicht. Hilfe ist toll, aber eher so, dass mal jemand vorbei kommt und vielleicht was zu essen mitbringt.
      So wie Mama und Papa Yu das heute getan haben. ❤

      Oder wenn mal jemand beim Einkaufen hilft oder so.

      Ich wünsche Dir eine tolle weitere Kugelzeit. 🙂

      • Ich bin an sich nicht der Typ Mensch, der täglich bei anderen rumsitzen wollen würde. Was in dem Fall definitiv so wäre. Ich brauch meinen geordneten Tagesablauf.

        Einkaufen ist das Einzige, was mir noch etwas Muffen bereitet. Lütte interessiert das ja reiflich wenig, ob ich gerade daheim bin oder im Supermarkt. Pampers voll? Hunger? Dann ist ALARM xD Und das nervt dann nicht nur mich im Laden. Ansonsten hoffe ich, dass mir das Tragetuch eine wertvolle Hilfe sein wird, um halbwegs im Haushalt rumzukommen, ohne das Klammeräffchen schreiend liegen zu lassen… Was man doch eh nicht übers Herz bringt.
        Naja. So zumindest die Theorie. In der Praxis sitz ich wohl auch mit Lütte aufm Sofa xD

        Und danke. Dir weiterhin eine schöne Erstlingszeit. Auch wenns natürlich manchmal anstrengend ist. Man glaubt gar nicht, was so ein Grinsen alles vergessen lässt 😉

  5. Liebe Frau Yu,
    Mich bewegt der Bericht zutiefst und ich fühle absolut mit dir als wäre es gestern!!!
    Es ist 29 Jahre her und es war genau so! Nun ist das Kind eine Taufe Junge Frau sehr selbstbewusst und mit beiden Beinen fest im Leben stehend…. Und ich denke die viele Kuschelnähe und das ständige „auf dem Bauch der Mama“ – liegen und das spätere stundenlange Einschlafrituale, die jeden Feierabend zerstörten, haben doch dem Kind das Sebstbewusstsein gegeben das es heute hat (Urvertrauen ).
    Das als „kleine Ermutigung einer alten Häsin 😉
    Was am sichersten für mich als junge Mutter zu lernen war , war das ich nichts planen kann und nicht perfekt sein kann. Es ist sehr schwer sich selbst einzugestehen und zu erlauben „Fehler“ zu machen und gelassen zu bleiben.
    Ich wünsch eurer kleinen Familie alles alles Gute!
    LG Beate

  6. Hi liebe Frau Yu, ohja…das kenne ich auch. Erinnere mich noch gut daran. Mittlerweile sind 17 Jahre vergangen. Ich habe auch mit „allem“ gerechnet, nur nicht damit. 😉 Zum Duschen mal schnell „hopp, hopp, hopp“…abends vom Herzallerliebsten der Kommentar: „Schon wieder nur Brote“??? Es gab Pizzalieferdienst, Pommesbuden und auch mal eine leckere Mahlzeit einer netten Nachbarin. Die ersten Wochen/Monate sind hart..aber wunderschön. Genießt diese Zeit. Haushalt pöh..Wer meckert, soll anfassen. Lernt euch kennen, probiert aus, was für euch am besten ist. Ich wünsche euch eine wunderschöne Zeit. LG Claudi

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