Let’s meet

Es gibt wenige Dinge, die ich nerviger finde, als Besprechungen.
Ich verstehe, dass Besprechungen, entschuldigt – Meetings wie man ja heute sagen muss, ab und an notwendig sind. In Projekten zum Beispiel. Schließlich muss man sich ja abstimmen über den Fortschritt, nächste Arbeitsschritte, eventuelle Probleme und das bisher Geleistete bewerten.

Das leuchtet mir ein. Was mir aber gegen den Strich geht ist die Sprache in den Besprechungen – äh Meetings.

In dem Unternehmen, für das ich arbeite, gehen wir übrigens gar nicht mehr in Meetings. Wir machen morgendliche „Stand Ups“. Ich warte immer noch auf den komödiantischen Redner in diesen Stand Ups, aber bisher hat sich kein Komiker da blicken lassen.

Es gibt sogar noch mehr wahnwitzige Benennungen für die Besprechungen.
Geht es um den Start eines Projekts machen wir ein „Kick Off“.
Geht es um den Verlauf eines Projekts heißt die Zusammenkunft plötzlich „Feed Back Runde“. Hier ist besonders die Vermischung zweier Sprachen zu beachten. Sehr kreativ!
Manchmal wird dieses Meeting übrigens auch „Follow Up“ genannt.
Man muss ja schließlich auch etwas Abwechslung in den Alltag bringen.
In diesen Besprechungen „datet man sich dann up“. (Das tut schon weh in den Augen, oder?)

Die nächsten Arbeitsschritte eines Projekts sind zu „Steps“ geworden und die Probleme, so auftauchen können sind zu „Troubles“ geworden, die im „Troubleshooting“ gelöst werden. Die Erkenntnisse daraus werden dann in einer „Learning Curve“ festgehalten.

Geht das Projekt – und damit die unzähligen Besprechungen – endlich seinem Ende entgegen und wird damit verbunden auch noch ein neues Produkt eingeführt, wird aus dem schnöden Meeting plötzlich ein „Go Live Meeting“ in dem das „Roll Out“ besprochen wird.

Wir stimmen uns auch generell nicht mehr ab in unseren Besprechungen – wir „committen“ uns.

Und wenn der Termin für eine Besprechung noch nicht ganz feststeht, aber mit größtmöglicher Wahrscheinlichkeit an einem bestimmten Tag stattfinden wird, erhält man neuerdings einen „Save the date reminder“, damit man sich den Tag schon mal im Kalender vormerken kann.

Ich liebe die englische Sprache. Wirklich. Ich lese gerne auf Englisch, schaue Filme gern im englischen Originalton und scheue mich auch nicht davor, englisch zu reden – es macht mir sogar Spaß. Aber dieser Besprechungswahnsinn geht mir tierisch auf den Senkel. Vor allem denglische Wortkreationen, bei denen jeder englische Muttersprachler die Stirn kraus ziehen und sich fragen würde, was wir da wohl wieder mit meinen könnten.

 

 

Aber diese Sprachabsurditäten sind nicht das einzig nervige für mich. Es geht in den Besprechungen selbst weiter.
Es gibt so einige Kandidaten, die sich gerne reden hören und gerne mit allerhand Floskeln um sich werfen.

Meine Lieblingsfloskeln sind:
„Wir haben da etwas Gutes auf den Weg gebracht.“ (So schön nichtssagend!)
„Das hat wirklich Charme.“ (Eine Software hat neuerdings Charme, ja da guckt ihr!)
„Das Produkt ist wirklich sexy.“ (Leute, die Software als sexy bezeichnen tun mir irgendwie leid.)
„Das muss man dann im Einzelnen sehen.“ (Gern gegebene Antwort auf kritische Rückfragen.)
„Man muss die Leute einfach abholen.“ (Wenn man bezweifelt, dass die Kollegen die neue Idee gut finden würden.)
„Der Prozess muss natürlich auch gelebt werden.“ (Wenn man bezweifelt, dass ein neues Konzept in der vorgeschlagenen Form umsetzbar ist.)
„Das wird die Zeit zeigen.“ (Wenn dem Redner gar nichts mehr auf eingebrachte Kritik einfällt.)

Und – vielleicht sind das ja die am Anfang erwähnten Komödianten – kommen einige Leute auch gerne mit auflockernden, witzigen Sprüchen um die Ecke.
Dass die Sprüche mittlerweile jeder kennt und den anderen Teilnehmern allenfalls ein müdes, mitleidiges Lächeln entlocken ist ja völlig unwichtig.
„Danke Anke.“
„Wie machen wir das jetzt am dümmsten?“
„Alle Klarheiten beseitigt?“

Jedes Mal sitze ich in den Besprechungen und möchte kreischend um den Tisch rennen oder wahlweise den Kopf auf die Tischplatte hämmern.
Denn Bullshitbingo spielt irgendwie auch keiner mehr mit.

Nee, Besprechungen sind echt nichts für mich.

 

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6 Gedanken zu “Let’s meet

  1. “ Man datet sich up“ fand ich am besten 😀
    Wobei die Feedback Runde auch sehr toll ist.

    Meine Güte. Ich glaube, ich wäre bei so einer Versamm… ähhh… bei so einem Meeting die, die laut kreischen würde… vor lachen.

  2. Du hast ja sooooo recht! Allerdings fehlt da noch das „Debriefing“ – um hinterher zu resümieren, wie alles gelaufen ist. Und der „Conference Call“, früher mal Telefonkonferenz genannt.

    Bei dem Post-Titel dachte ich allerdings zunächst, du wolltest uns treffen *gg*

  3. Du hast die „Milestones“ vergessen! Mein Chef fragt am Ende jeder Besprechung, ob es noch einen „Nachbrenner“ gibt. Auch saunervig. Der Vertreter beginnt gerne mit „Ich will euch nicht lange mit Details nerven…“ und …. tut es dann doch. 😀

  4. Waaaah! Gerade folgende Mail im Postfach:
    „Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, das neue Wiki wird ausgerollt.“

    Wieso muss ich da nur an Teig denken?

    Bescheuert!!

  5. Oh, Frau Yu, Sie haben es mit Very Important People zu tun!!!! Wer Englisch spricht ist sophisticated und with it, oder?

    Es nervt schon sehr, wenn Phrasen und oft auch noch falsch verstandenes Englisch den Eindruck von Lässigkeit, Weltoffenheit und Modernität vermitteln sollen.

    Ein echt toller Artikel! All die Begriffe und Phrasen, die wir schon fast als „normal“ empfinden, so gesammelt zu lesen und zu merken, was für leere Worthülsen das eigentlich sind. Danke!
    LG Trina

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