Die Einsiedlerin – noch mal erläutert

 

Ihr lieben Leserleins! Nachdem ich von Euch so viel Zuspruch in den Kommentaren zu meinem gestrigen Artikel erhalten habe – Danke schon mal dafür! Ihr seid Gold! Und es ehrt mich, dass Ihr Euch die Zeit nehmt und Tipps gebt! – fühle ich mich doch noch verpflichtet ein wenig genauer zu erklären, was mich da eigentlich umtreibt.
Ich möchte nämlich nicht den Eindruck erwecken, dass ich zwanghaft mein Essen analysiere, Spaß und Verabredungen meide und mich zu Hause einschließe und nicht mehr unter die Leute komme.

Es ist einfach so:

Ich komme recht häufig dazu, Essen zu gehen. Oft genug durch die Arbeit. Denn oftmals werden Entscheidungen eben bei „gemütlichen Abendessen“ getroffen, oder Projekte so abgeschlossen oder Geburtstage und Jubiläen auf diese Art zelebriert.
Natürlich esse ich dann das, was am ehesten meiner Ernährung entspricht, genieße das Essen in dem Moment auch und „mach halt LCHF so gut ich kann“.
Aber das leise Stimmchen in meinem Hinterkopf, das vollautomatisch, weil diäten-vergiftet, mitrechnet und leider auch kommentiert, kann ich blöderweise nicht so einfach abstellen.
Dieses Denken ist fest in meinem Kopf verankert und das ist das, was mich am meisten nervt.
Dass ich – so weit ich das im Moment beurteilen kann – nie wieder völlig unbefangen an das Thema „Essen“ herangehen kann.
Unbefangen bin ich ja in dem Moment schon nicht, in dem ich die Pommes ab-, die Kräuterbutter hinzu und das Dressing „bitte extra“ bestelle.
Es ist mir nicht etwa peinlich, so zu bestellen, es nervt mich einfach, dass ich es „muss“. Es ist gerade sehr schwierig das zu formulieren.

 
Und es geht bei privaten Einladungen weiter. Steht eine Party an und ich weiß nicht, was es zu Essen gibt, esse ich vorher lieber zu Hause. Denn mit knurrendem Magen auf einer Feier rumlungern, auf der die anderen Gäste sich Nudelsalat, Schnitzel und Co. einverleiben, da hab ich keinen Bock drauf.
„Dann bring doch selbst was mit!“ werden jetzt viele reflexartig sagen.
Doch das finde ich etwas schwierig. Klar, bei Mitbringpartys nehme ich was mit, was ich essen kann und was auch den Anderen schmeckt.
Aber wenn ich auf ne „normale“ Party eingeladen bin, finde ich es unhöflich einfach irgendwas mitzubringen. Das sieht immer aus wie „bei Dir schmeckt es nicht“ oder „wer weiß, was Du wieder vorbereitet hast“.
Dazu kommt, dass ich nicht allen Menschen um mich herum meine Ernährungsweise auf die Nase binden möchte. Ich bin einfach nicht gerne das Tischgespräch mit meiner „komischen Esserei“.
Bei Freunden, die von meiner Ernährungsweise wissen, ist das nicht das Problem. Da sage ich dann einfach: „Ich bring mir was mit.“ oder „Du brauchst für mich nix extra machen.“
Und jaaa, die Getränke. Klar trinke ich beim wöchentlichen Mädelsabend in der Stadt auch einen Cappuccino oder mal die Cola Light. Den Cappuccino aber eben nur selten. Es macht mir auch gar nichts aus, Wasser zu bestellen, wenn alle anderen Cola trinken, aber es nervt mich an, dass ich mich immer ein wenig eingeschränkt fühle in der Auswahl. Und klar, ich habe auch schon Kakao bestellt zu einem solchen Anlass – mit Schuss! Oder nen Latte Macchiato. Oder ein Bier (Wein ist überhaupt nicht mein Ding). Aber dann weiß ich auch direkt, dass ich den Wiegetag in der Woche abhaken kann. Isso.
Kleine Ausnahmen reichen bei mir schon für Stagnation. Und wie gesagt, haben wir einen festen Mädelsabend jede Woche.
Ich kann nicht jede Woche Fünfe gerade sein lassen, denn dann komm ich niemals weiter.

 

Auch ist das alles reiner Selbstschutz. Ich kenne mich. Aus dem einen Latte in der Woche werden irgendwann zwei. Dann kommt irgendwann der Latte mit Haselnuss-Sirup und weil das auch irgendwann langweilig wird, wird’s irgendwann ein Milchshake und dann der Eisbecher.

 

Aber ich gebe Euch allen Recht, wenn ihr sagt, dass ich mich mehr entspannen muss. Ich bin halt bei solchen Dingen sehr perfektionistisch veranlagt und leider auch überaus selbstkritisch. Wo andere locker eine Ausnahme machen können, werfe ich mir hinterher Inkonsequenz vor – spätestens, wenn sich auf der Waage wieder ewig nichts tut.
Manchmal gelingt es mir auch zu sagen: „Mensch Yu, Du Butterbirne. Das ist das Leben. Hau rein!“ und dann mach ich mir auch keine weiteren Gedanken, aber meistens habe ich mein langfristiges Ziel im Hinterkopf.

 

Also noch mal abschließend: Der Text von gestern klingt vielleicht dramatischer als er gemeint war. Ich gehe gerne unter Leute und habe Spaß – beim Essen und auch in der Kneipe. Es juckt mich auch nicht, ob sich Leute darüber pikieren, dass ich den ganzen Abend nur Wasser süpple.

Mich nervt nur an, dass ich, wenn ich nicht wieder aufgehen will wie ein Hefekloß, immer ein Auge auf meine Ernährung haben muss.

Denn es wird kein „danach“ geben. Dieses utopische „danach“, das sich viele Abnehmer als Ziel vor Augen führen. „Nach meiner Abnahme kann ich mir die Eisbecher wieder rein pfeifen.“ Nein. Kannst Du nicht. Werd Dir klar darüber.

Ich glaube, dass diese Erkenntnis auch einfach ein Bisschen weh tut.
Weil sie eben beweist, dass die Veränderung, die man gerade durchmacht, für immer sein wird.

Ich gebe auch zu, dass diese Gedankengänge gerade stark von TOM motiviert sind, denn in dieser Zeit des Monats fällt mir – übrigens egal welche Ernährung ich verfolge – alles was das Thema Abnehmen angeht extrem schwer und ich finde dann alles schrecklich ungerecht.

 

Ich hoffe, ihr versteht, was ich sagen will.
Und sollte ich doch noch zum schrotflintigen Einsiedler werden, steht ihr alle auf der „Nicht-Abschießen-Liste“. 😉

 

Advertisements

5 Gedanken zu “Die Einsiedlerin – noch mal erläutert

  1. Also ich versteh dich nach diesem Post besser 😉
    So ähnlich geht es mir auch öfter. Gerade Abends wenn man mal weggeht (was ich zwar ohnehin nicht gerne mache, aber ab und an muss man ja fast ;))
    Ich trinke von Haus aus scho nicht gerne Alkohol, mir schmeckt er nicht. Die Alternative ist da dann auch immer Wasser. und es ist wirklich nervig nichts anderes zur Auswahl zu haben. (Softdrinks mag ich nicht..)

  2. Danke noch mal für die Erläuterung. Ich kann es echt nachvollziehen. Same here. Wo andere essen können muss ich zurück stecken. Ich hab mich gefragt, woran es liegt – mein Körper hat gerade mal ein Grundumsatz von 1.380. Vor meiner Ernährungsumstellung und Sport lag dieser bei unter 1.200 kcal. Durch den Muskelaufbau, den ich jetzt immer mehr vorantreiben möchte, steigt auch der Grundumsatz. Klar, ich muss IMMER und wirklich IMMER darauf achten, aber so ist das nun mal 😉 Und ich kann dich nur zuuuuuuuuu gut verstehen – Abstriche machen, wo andere keine machen, nervt aber was bleibt uns übrig. Hefekloß oder keine Hefekloß, dass ist hier die Frage 😉

  3. Ja. Das gefährliche ist das „danach“, dass es im optimalen Falle nicht gibt und du diesen Zustand, sagen wir mal, 50 Jahre durchhalten solltest. Das ist eine verdammt lange Zeit. Verdammt lang.

    Daher ist es rational betrachtet besser, sich mit den „schönen“ Dingen ab und zu zu belohnen. Ja. Auch wenn da die Gefahr besteht es zu übertreiben. ich würde gerne den Masterplan präsentieren… aber ich habe ihn nicht. Nicht mal theoretisch.

    Ich denke am besten ist der Ansatz „Essen wenn Hunger und Nicht Essen, wenn kein Hunger“. Dabei ist der echte Hunger gemeint – LCHF macht das ja, ansonsten kannst du dir ja mal Paul McKenna angucken, vielleicht ist das was für dich.

  4. Ich hab dich auch im ersten Post schon verstanden. Weil es bei mir ganz genauso ist.
    Das wird sich auch nicht ändern, solange nicht die Wunderpille gibt, die das „danach“ so gestaltet, wie es sich viele Abnehmende vorstellen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s