Der Kopf muss mit!

Ich habe mich immer gewundert, wenn Menschen, die viel abgenommen haben, sagten: „Mein Körper hat sich so schnell verändert, aber mein Kopf kam einfach nicht mit. Seid froh, wenn ihr etwas langsamer abnehmt, dann hat Euer Hirn auch Zeit mitzukommen.“

Ich konnte mir das nie vorstellen, dass der Kopf einem da so quer kommen könnte.
Der Traum jedes Abnehmwilligen ist doch, dass abends die gute Fee kommt, einen mit fröhlichen Augen ansieht und fragt: „Na, Bock, morgen früh schlank zu sein?!“ dann zwei, drei mal ihren Zauberstab schwingt, einem ein bisschen Feenstaub ins Gesicht pustet, woraufhin man selig einschlummert und am nächsten Morgen in einem 36er Körper aufwacht.
Ich fand die Vorstellung jedenfalls immer super.

Und wer kennt sie nicht, die Ungeduld, die einen beim Abnehmen plagt?
Am liebsten einmal Schnipsen und das Fett ist weg.

Ich bin ja selbst das Paradebeispiel an Ungeduld. Wie oft hab ich schon lamentiert, dass es nicht vorwärts geht… dass ich endlich unter irgendeiner Gewichtsgrenze sein will usw.

Aber letztens ist mir mal wieder was aufgefallen. Es sind eben doch die Kleinigkeiten, die einen auf etwas aufmerksam machen.
Erleuchtung to go, sozusagen.
Als ich mein Höchstgewicht hatte, gab es Dinge, die mir schwer fielen.
Lange Abende auf Konzerten verbringen z. B. Das lange Stehen schlug mir auf die Knie und den Rücken.
Auch lange Spaziergänge waren nach einer gewissen Zeit beschwerlich.
Ebenso das Radfahren. Der Hintern schmerzte, die Kondition ging gegen Null.

Das alles führte dazu, dass ich  mir wenn eine der oben genannten – oder ähnliche – Aktivitäten im Vorfeld schon Gedanken machte. „Schaffst Du das überhaupt? Hältst Du das den ganzen Abend durch? Boah, wie peinlich, wenn Du als Einzige ne Pause brauchst…“ etc. Ich ging an die Aktivitäten also schon beängstigt ran. Vorfreude? Was ist das?

Und auch heute ertappe ich mich immer wieder dabei, Sachen wie „Schaffst Du das überhaupt?“ zu denken.
Herr Yu schlägt z. B. vor, eine längere Radtour zu machen und ich überlege, ob ich das konditionell schaffe.
Oder es steht eine Bollerwagentour mit Freunden an, die sich über den gesamten Tag zieht. Schon denkt Yubababrain: „Oh oh, da tun Dir bestimmt nach 2 Stunden die Füße weh und der Rücken. Das hältst Du doch gar nicht durch!“

Und das ist so bescheuert, denn ich halte das alles durch mittlerweile.
Klar bin ich nach einem langen Konzertabend oder so einer Bollerwagentour kaputt – eben so, wie jeder andere auch!
Und jedes Mal denke ich hinterher: „Boah, wieso hast Du Dir eigentlich wieder diese Gedanken gemacht?!“

Aber letztens war es dann endlich so weit. Mein Gehirn meldete schon wieder Notstand, die Gedanken gingen schon wieder los und auf einmal sagte ich aus heiterem Himmel selbst zu mir: „Hör auf zu jallern, natürlich schaffst Du das!“ und dann war ich erst erstaunt über diese Erkenntnis und dann einfach nur beruhigt.

Eines ist mir in diesem Moment klar geworden: das Gehirn braucht eben doch Zeit, um bei den ganzen körperlichen Veränderungen mitzukommen und nicht immer wieder in das Ichbinfettdenken abzudriften.

Und auch beim Klamottenkauf letzte Woche hab ich festgestellt, dass das Bild meines neuen Körpers noch nicht ganz in meinem Oberstübchen angekommen ist. Es liegt da zwar schon gerahmt drin rum, aber ich habe es noch nicht da aufgehängt, wo ich es immer sehen kann.
Aufgefallen ist mir das, als ich in der Nicht-Moppel-Ecke eines Kaufhauses stand und eine schöne Bluse in 48 sah.
Die kam mir sowas von klein vor. Weil der Schnitt etwas auf Taille ging und weil in meinem Kopf eben noch Größe 52/54 als meine Größe gespeichert ist. „Da pass ich doch nie im Leben rein!“ raunte ich Herrn Yu zu „aber versuchen kann ich’s ja mal. Das wird bestimmt ein demotivierendes Erlebnis…“
Und dann konnte man ein vergnügtes Quieken aus der Umkleide hören, als ich feststellte, dass ich rein passte und nicht aussah wie Elvis Presswurst.

Da wurde mir dann ein weiteres Mal bewusst, dass mein innerliches und mein äußerliches Bild von mir selbst teilweise doch ganz schön auseinander klaffen.
Und da habe ich dann auch endlich begriffen, warum es immer heißt: „Der Kopf muss mitkommen beim Abnehmen.“

 

Gegen den Besuch der Abnehm-Fee hätte ich immer noch nix einzuwenden, aber wenn sie schon mit ihrem Zauberstab da so rumhampelt, dann soll sie bitte auch mein Hirn mit auf Vordermann bringen. 😉

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2 Gedanken zu “Der Kopf muss mit!

  1. Das Erlebnis kenne ich in umgedrehter Weise. Mein Kopf ist bei einer Kleidergröße von um die 46 stehen geblieben und unterschätzt alles. Der ist mit dem Dicksein noch nicht auf eine Ebene gelangt. Schnappt sich immer zu kleine Sachen und wundert sich, dass es nicht passt. 😉 Ich versuche also entsprechend den Körper wieder auf die Leistung des Kopfes zu bringen. 😉
    Dieses Klaffen in Einklang zu bringen ist gar nicht so leicht, da gebe ich dir Recht.

  2. Kenne das auch nur zu gut. Mein hirn kommt da auch noch nicht mit. Und wenn es dann wieder mitkommt merke ich auch wie die kilos wieder schneller schwinden. 🙂 LG desweges

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